Weißensee

Das Grün der Parks, das Blau der Seen und das Ziegelrot des Munizipalviertels sind die Farben von Weißensee

Friedrich Nicolai schrieb 1786 in der "Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten und der umliegenden Gegend"; Weißensee, ein Dorf, eine Meile von Berlin, dem Herrn Schenkendorf gehörig. Es ist daselbst ein sehr schöner Garten, dem die angenehme Lage an dem großen See, von dem das Dorf den Namen hat, noch mehr Reiz gibt... Es gehet von Berlindahin eine Allee...

Der Ortsname, slawischen Ursprungs wurde aus Balow (weiß) gebildet. Um den See siedelten sich Slawen mit ihren Pfahlbauten an und betrieben Fischfang mit dem reichhaltigen Angebot an Schleie und Hechte. Zu dieser Zeit nannte sich die slawische Siedlung "Wittenze" (niederdeutsch). Teilweise wurde der See auch "Großer See" genannt. Der Ort liegt auf der Barnimer Hochebene, fünfzig Meter über den Meeresspiegel und noch 30 Meter über das Berliner Stadtzentrum. Milchhäuschen in Weißensee 1964 Der See ist ein Überbleibsel der letzten Weichseleiszeit, dessen Inlandseisreste den heutigen See als Toteissee prägten. Mit einer Fläche von 107.000 m²  und einer Tiefe von 9,7 m reiht er sich in die Liste der tiefsten Berliner Gewässer ein. Der Weiße See ist ein natürlicher Grundwassersee, welcher aber stets mit frischem Wasser versorgt wird.  Eine Belüftungsanlage und Brunnen, die Grundwasser in den See einspeisen sind für dessen Wasserqualität zuständig. Um den See herum entstand ein wunderschöner Stadtpark, der seine Wurzeln als Gutsgarten begann, zu Zeiten des Schlosses neu gestaltet und mit der Übernahme in die Gemeinde den Bedürfnissen der Besucher angepasst wurde. Die Größe erstreckt sich über 146.000 m², der Weg um den See misst 1,3 km. Sehenswert ist neben dem Rosengarten, die Sonnenuhr als Blumenbeet, die zahlreichen alten Bäume im Park, das Musikpavillon und das Milchhäuschen lädt die Besucher zum Verweilen ein. Für die kleinen Badegäste gibt es ein Planschbecken, die etwas größeren erfreuen sich im Strandbad und die verliebten Pärchen sieht man paddelnd über den See fahren. Wer das Open Air Feeling mag, der nutzt die Freilichtbühne (gebaut 1957), die zu Konzerten und Freilichtkino einladen. Aber auch an die Tierliebhaber wurde gedacht. Begleiten die Ruderkähne Enten und Schwäne so kann der Spaziergänger einen Abstecher in das Tiergehege machen. In der Mitte des Sees sprüht eine kräftige Fontaine (seit 1969) gen Himmel und verkörpert das Wahrzeichen des Ortsteiles Weißensee. Alljährlich lädt der Weißenseer See zum Blumenfest ein, welches auf eine lange Tradition zurückblicken kann.

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Die erste urkundliche Erwähnung fand Weißensee im Jahre 1242, als slawische Einsiedler vertrieben oder sich der zunehmenden Christianisierung unterordnen mussten. In der ersten urkundlichen Erwähnung wird von einem Conradus von Widense geschrieben. Widense lag zu dieser Zeit etwas abseits an einer wichtigen Handelsroute zwischen Böhmen und Stettin bzw. an einer mittelalterlichen Heerstraße nach Oderberg. Diese ist in der heutige Parkstraße zu sehen. Somit war es zwar ein typisches Straßendorf, profitierte aber nicht von Durchreisenden bzw. Händlern, die in den Dorfkrügen ihr Nachtlager fanden. Bei der Veräußerung von Rechten für vier Hufen Land durch Grevelhut an das Heiligenhospital Berlin fand Weißensee offiziell erstmalig Erwähnung. Mit dem Verzicht des bayerischen Markgrafen Otto der Faule vom 15. August 1373 auf die Gemarkung Brandenburg fiel der kurfürstliche Thron  an die luxemburgische Dynastie. Um 1375 bezifferte sich das Dorf auf 68 Hufen, die sich im Besitz der Bürger Rathenow und Landsberg befanden. Kaiser Karl IV. belehnte im gleichen Jahr die Mark Brandenburg für seine Söhne Wenzel, Sigmund und Johann und lässt 1376 seine gesamten Landgemeinden in das Prager Landbuch aufnehmen. Der Kurfürst Johann regierte seine Ländereien, wozu auch Weißensee gehörte von seiner Sommerresidenz in Weißensee aus, die er 1456 bezog. Dreißig Jahre später belehnt der Kurfürst einen Bauernhof an den Berliner Gewandschneider Blankenfelde und ernannte ihn zum ersten Gutsherrn von Weißensee. Von 1242 bis 1486 kam Weißensee ohne Rittergut aus. Der Gewandschneider erwarb ein weiteren Hof, welcher sich an der heutigen Großen See Straße befand und erhielt erst einmal das Schulzenamt. Mit der Vererbung des Hofes 1608 an dessen vier Söhne wurde dann aus dem Hof ein Rittergut mit jeweils einem Viertel.

Wie in allen Landgemeinden brach auch über Weißensee der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) aus und die Kriegsheere wechselten sich in dem kleinen Dörfchen ab, zerrten es aus und hinterließen Krankheit und Hunger. Die Menschen waren so arm, dass sie sich von Spreu, Treber, Asche, Eicheln und Unkräutern Brot backen mussten, Dorfhunde und Katzen waren auch nicht mehr sicher. Obwohl die ländlichen Gemeinden um Berlin die ersten Jahre mit den "Wallensteinern" noch glimpflich davon kamen. Auch mit dem  "Schwedischen Bündnis" (1630 - 1635) kamen wieder ruhige Zeiten auf die Dörfer zu, wo Höfe wiederbelebt werden konnten oder Ausbesserungsarbeiten ausgeführt werden konnten. Im Jahr 1624 wurden den zehn Herrschaftshufen Blankenfeldes weitere 23 "freigewilligt" worden. Als Kossätenstellen sind fünf eingetragen. Die Anzahl der Hüfner verkleinerte sich genauso, wie auch die Einwohnerzahl durch den nicht endenden Krieg. Zum Kriegsende lebten gar noch drei Familien in Weißensee. Die Landwirtschaft lag weites gehend brach, es gab keine Vollbauernstellen mehr, so dass den vorhandenen 33 Herrschaftshufen Blankenfeldes bis 1681 noch drei weitere Hufen zufallen. Lediglich die Kossätenstellen blieben von ihrem Wert wie 1624 erhalten. Die härtesten Zeiten des "Dreißigjährigen Krieges" kamen mit dem Eintritt Berlins (1635) auf die Seite des Kaisers ohne Schweden in den Frieden mit einzuschließen. Bis heute unvergessen die "Schwedengreuls" in der Mark. Aus dieser Zeit hat sich die Bezeichnung "hinter schwedischen Gardinen sitzen" bis in die Gegenwart erhalten.

Hoher Besuch kündigte sich 1679 in Weißensee an, als eine tatarische Gesandtschaft in Weißensee Station macht. Sie hatten von der erfolgreichen Schlacht bei Fehrbellin gegen die Schweden gehört, dessen Nachricht aber erst drei Jahre später in Russland ankam. Zunächst noch friedlich zogen 1760 feindliche russische Truppen während des 7jährigen Krieges durch Weißensee und plünderten das Dorf. 1806 hausten abermals Fremdheere im kleinen Dörfchen Weißensee, Franzosen brannten die Schule und das Pfarrhaus nieder. 1847 war das Gebiet um Weißensee dem Manöver gewidmet, wobei auch der Kronprinz und spätere Kaiser, genannt "Kartätschenprinz" teilnahm.

Weißensee um 1833 Gutsgeschichte Der Gutshof besteht nunmehr aus drei nebeneinander liegenden Herrschaftshäusern. Die Gutsnachfolge trat zwischen 1712 und 1735 der Marschall von Bieberstein an, der sich nun "Gutsherr auf Weißensee" nennen durfte. Dieser stammte seiner Zeit aus einem alten meißnischen Adelsgeschlecht und besaßen das erbliche Marschall- und Kämmereramt der Markgrafen von Meißen. Dessen Nachfolge wiederum trat die Gräfin von Schlippenbach an. Der schlaue Rittmeister von der Lieppen brachte das in Sechstel aufgeteilte Rittergut an sich und vereinigte es wieder 1737 teilweise zu einem Rittergut. Nun kam der preußische Justiz- und Landrath Carl Gottlob Nüßler in den Besitz des Rittergutes (1745), erwarb auch alle Rechte über das Dorf und errichtete am Südufer des Weißen See ein einfaches Gutshaus. Ein schöner Garten und ein kleiner Tannenwald sollten den Anblick des Gutshauses verschönern. Seine Tochter von Berg erbte 1776 das komplette Gut nebst Rechten und übergab diese ihren Sohn, einem Hauptmann von Schenkendorf, bis 1821 Pistorius zu dem Gut kam. Bis 1858 hatte Johann Heinrich Leberecht Pistoruis das Rittergut in Weißensee inne. Als Landwirt und Erfinder revolutionierte er mit seinem Brennapparat die Gewinnung von Branntwein aus Kartoffeln, so dass sich schlagartig die Landwirtschaft in Brandenburg umstellte und Berlin wird Drehscheibe des preußischen Schnapshandels auf dem Weltmarkt. Schnapsbrennereien schießen wie Pilze aus dem Boden, Junker und Domänenpächter investierten ihre Gewinne aus den Freikäufen der Erbuntertänigkeit in eine Schnapsbrennerei. Um 1830 gab es in der Mark Brandenburg über 1400 Brennereien. Der Kartoffelabfall, die Kartoffelmaische ladet als Mastfutter in die Ställe der Schweine und schon blühte auch hier das Geschäft. Während seiner Zeit entwickelte sich das Rittergut zu einem Mustergut. Die "Maschinenanstalt für Landwirtschaftsgeräte Eckert" in Lichtenberg ließ etliche ihrer gebauten Geräte auf dem Wirtschaftshof testen. Friedrich Wilhelm Lüddersdorff, der Neffe von Pistorius übernahm 1858 das Rittergut nach dem Tod von Pistorius. Neun Tage bevor Pistorius verstarb stiftete er 500 Taler mit der Vorgabe, dass die erlösten Zinsen zugunsten armer Dorfbewohner verwendet werden sollten. Lüddersdorff, der Gutsnachfolger von Weißensee ließ ein Jahr später das "Weißenseer Schloss" genannte Herrenhaus mit zweit Türmen errichten und einen Schlossgarten anlegen.

Weißensee - Alter Gutshof um 1855 Der Hamburger Großkaufmann Gustav Adolf Schön übernahm als letzer Gutsherr das Rittergut und mit ihm endet auch die Geschichte der Weißenseer Gutsgeschichte. Er ließ 1890 das Gut aus der Rittergutsma-trikel löschen. Geboren als Sohn eines Großreeders wuchs er auf Virgin Islands aus. 1854 übernahm er die Geschicke des Handelshauses "J. Greve & Co." in der Hansestadt Hamburg, war als Honorarkonsul für die Dominikanische Republik tätig und gehörte dem Reichstag für die Nationalliberale Partei an. Mit dem Spürsinn für lukrative Geschäfte sah er voraus, dass Berlin sich ausdehnen und der Bedarf an Grund und Boden steigen würde. Er kaufte also 1872 das Rittergut Weißensee für 700.000 Taler um es gewinnbringend zu vermarkten. Dabei unterstützten ihn sein Bruder Anton, seine Schwägerin Albertine, seine Cousine Amalie und das Bankhaus Friedrich Martin von Magnus mit finanziellen Mitteln. Mit dem Kauf des Gutes begann die sofortige Parzellierung und der Verkauf an verschiedene Bodenspekulanten. Diese waren der Geheime Admiralitätsrat Dr. Gäbler, der von Gustav Adolf Schön 152 Morgen kaufte und der Handelsgärtner Roelke, der 600 Morgen von Schön erwarb. Mit Beginn der Bebauung der verkauften Grundstücke gründete 1874 Gustav Adolf Schön zusammen mit Hermann Roelcke, Ernst Gäbler und dem Bankhaus "Busse & Co" ein Baugesellschaft und verdiente nun auch an der Bebauung der Grundstücke. Zuerst wurden die Aktivitäten von Gustav Adolf Schön und seinen finanzkräftigen Unterstützern belächelt, mussten aber später eingestehen, dass es nachträglich ein lukratives Geschäft wurde. Die übrig gebliebenen Grundstücke wurden unter der "Weißensee Actien Gesellschaft", in der Gustav Adolf Schön den Vorsitz inne hielt, verkauft. Er ging dann nach Paris. Viele der genannten Personen finden sich heute noch in den Straßennamen wieder; Gustav Adolf Straße, Schönstraße, Albertinenstraße, Amalienstraße, Roelckestraße, Magnusstraße und Gäblerstraße. Durch das parzellierte und neu bebaute Gebiet (Gutsbezirk) bildete sich 1880 ein neuer Gemeindebezirk mit dem Namen Neu - Weißensee heraus, schloss sich aber wieder mit dem alten Dorf 1905 zusammen. Bisher kam Weißensee ohne eigenes Wappen aus. Das sollte sich nun zur Vereinigung von Alt - Weißensee und Neu - Weißensee ändern. Pfarrer Giertz bastelte flugs durch die Anhörung der Heiligenfiguren seiner Kirche ein Wappen für die Einheitsgemeinde zusammen. Die Entscheidung lag bei der Heiligen Katharina, die den Märtyrertod durch Rad und Schwert erlitt.

Weißensee um 1798

Die Entwicklung der Einwohnerzahl nach dem Dreißigjährigen Krieg begann erst mit dem Ende des 18.Jahrhunderts, als zehn neue Familien angesiedelt wurden. 1801 zählte das Dorf 185 Einwohner, wobei diese Zahl während der napoleonischen Fremdherrschaft und einer verheerenden Feuersbrunst 1823, die zwei Tage andauerte (13. und 14. Juli), wieder nach unten korrigiert werden musste. Allein das Feuer forderte acht Menschenleben. Danach wurden die Häuser wieder vermehrt in Fachwerkbauweise errichtet. Mit Beginn der Parzellierung und Bebauung der ehemaligen Gutsgrundstücke mit Mietshäusern wuchs die Bevölkerungszahl in Weißensee merklich an. Mitwirkend war dabei auch Anfang des 19. Jahrhunderts der Bau der Provinzial Chaussee von Berlin nach Bernau. Ab dem Königstor begonnen, reichte diese aber aus finanziellen Mitteln nur bis Weißensee. Nun wurde Weißensee nicht nur für Ausflügler interessant, sondern auch für die Menschen, die aus der Stadt raus, aber trotzdem der Stadt nahe sein wollten. 1880 lebten in Neu - Weißensee schon 3.891 und im alten Teil des Ortes 825 Einwohner. Fünfzehn Jahre später waren es schon fast 27.000 Einwohner insgesamt. Und die Zahl wuchs bis zur Ausgliederung aus dem Landkreis Barnim und zur Eingliederung zu Berlin auf 45.000 Einwohner an. Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Weber im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit dem Bau der Berliner Straße nach Bernau, die nicht nur durch die heutige Parkstraße verlief sondern auch durch das eigentliche Dorf vorangetrieben wird. Es sollte nicht mehr abseits liegen, sondern mehr in den Mittelpunkt rücken. Im Jahr 1936 wird die durch das ehemalige Dorf führende Straße zur "Reichsstraße II", die von Bayern nach Pommern führt. Nach 1945 wurde aus der "Reichsstraße II" einfach die "B2".

Wirtshaus - Zur Industriebahn Industriegeschichte Bei der wirtschaft-lichen Entwicklung finden sich in den geschichtlichen Eintragungen 1745 eine Windmühle und 1860 eine Ziegelei neben der überwiegend landwirtschlichen Nutzung von Weißensee wieder. Zur Gründerzeit und dem Bauboom in Weißensee siedelte sich auch nach und nach Industrie an, welches sich im Anfang durch Ziegeleien zeigte, denn durch den Bau von Häusern war die Nachfrage nach Ziegelsteinen hoch. Später siedelten sich Lack- und Farbfabriken an und Carl Müller gründete 1875 in der Belforter Straße eine Gummiwarenfabrik. Schon 1889 wurde aus der Fabrik eine Aktiengesellschaft. Die Bewohner brauchten teilweise nicht mehr nach Berlin zur Arbeit fahren, sondern gingen mitunter in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dienst. Das Fabrikgebäude nebst Wohnhaus von Carl Müller steht heute unter Denkmalschutz und befindet sich in der Puccinistraße 16 - 32. Die erste industriell geführte Fabrikation eröffnete der Brauer und Gastwirt Rudolf Sternecker 1887 in der Berliner Allee. Er braute das benötigte Bier für sein "Welt Etablissement Weißensee". Fünf Jahre später ging die Brauerei an den Brauer Gustav Enders über, der bis 1920 das "Enders Bräu" produzierte und im kommunalen Volkshaus (Kulturhaus "Peter Edel") verkaufte. Im Straßenquadrat Langhansstraße, Roelckestraße, Behaimstraße und Lehderstraße entstanden zwischen 1898 und 1906 die Ruthenberg´schen Fabriken, ausgestattet mit Werkstätten verschiedenster Gewerke und waren Vorläufer der heutigen Gewerbehöfe. Markantestes Gewerk war damals die Goldleistenfabrik in der Lehderstraße. Mit der Inbetriebnahme der Industriebahn zwischen dem Tegeler Hafen und Friedrichsfelde konnte auch Weißensee von dieser profitieren. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte dann Weißensee ebenfalls eine eigene Gasanstalt (1888), ein Elektrizitätswerk (1906) und ein Wasserwerk nebst Abwasserkanalisation zu eigenen Rieselfeldern (1893). Bekannt aus den Streiks im Jahr 1918, das Weißenseer Kugellagerwerk, wo am 8. November viele Betriebsleute verhaftet wurden. Bestärkt durch den Sieg in der Oktoberrevolution in Russland nahmen Arbeiter aus Berlin den Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung auf. In der Bernkasteler Straße stürmten die Arbeiter eine Schule, die als Kaserne diente wo sie sich bewaffneten. Einiger der dort stationierten Soldaten schlossen sich den Arbeitern an. Schon am 12. November war alles vorbei, nachdem Rote Matrosen der Hohenschönhauser Polizei die Waffen abnahm, schlugen Konterrevolutionäre die Bewegung nieder.

Sternrecorder aus dem Hause Stern Radio Berlin Weißensee In dem 1941 in der Weißenseer Franz Joseph Straße errichteten Klinkerbau, durch das Architektenbüro Schubert fertiggestellt, nahm 1942 die Feinmechanischen Werke Askania und Apparatebau Raspe seine Arbeit auf. Beide Unternehmen wurden 1945 demontiert, da sie während des Krieges Meßapparate für die Luftwaffe herstellte. In den Turm zog das Stadtbezirksamt Weißensee ein, hatten aber nur kurz davon ihren Nutzen, denn der Verwaltungssitz der sowjetischen Aktiengesellschaft übernahm den Turm. Als diese dann 1953 wieder auszogen bemächtigte sich das Ministerium für Staatssicherheit des Turms, um die Protokollstrecke der DDR Regierung vom Regierungsviertel nach Wandlitz überwachte. Der Turm diente ebenfalls als Briefkasten von Wandlitz, denn der Regierungswohnpark benutzte eine Weißenseer Postleitzahl.  Das restliche Gebäude wird nachfolgend durch Stern Radio Berlin genutzt, der den in der DDR beliebten Stern Recorder herstellte.

Während der Zeit der DDR gehörte zu den Großbetrieben der Stammbetrieb des Werkzeugkombinats "7. Oktober", der VEB Chemiehandel und das VEB Getränkekombinat in der Lichtenberger Straße. Als Produktionsbetrieb geblieben ist die Gummiherstellung, nunmehr als VEB Gummiwerke Berlin: Im VEB "Stuck und Naturstein" wurde seiner Zeit die Marsgruppe vom Dachgesims des Museums für Deutsche Geschichte restauriert.

Empfang der königlichen Familie in Weißensee am 23. Dezember 1809 - Zeichnung von Heinrich Dähling Das Dorf Der alte Dorfkern lag an der heutigen Berliner Allee, Buschallee und Falkenberger Chaussee. Dort noch zu erkennen, die kleinen Häuser und die alte Pfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert. Gegenüber der alten Dorfkirche befand sich der Lehnschulzenhof. Wie in den anderen Dörfern orientierten sich auch in Weißensee Bauern- und Kossätengehöfte am märkischen Straßendorf. Auf einer Zeichnung von Heinrich Dähling zum "Empfang der königlichen Familie in Weißensee bei ihrer Rückkehr nach Berlin, am 23. Dezember 1809" sind gut die Strukturen des Dorfes zu erkennen. Links im Vordergrund der Eingang zum  Garten von Major Schütz (später "Grüner Baum"). Weiter hinten erkennbar die Dorfkirche mit dem 1822 fertig gestellten neugotischen Backsteinturm und der Gutshof. Rechts von der ungepflasterten Dorfstraße sind Fachwerkhäuser mit Strohdächer zu sehen. 1858/59 erfuhr das zuvor zusammengeführte Ensemble der drei Herrenhäuser eine tiefgreifende Änderung. Wurden zunächst durch das zusammengefügte Gut entsprechende Wirtschaftsgebäude ergänzt, so kam für das Hauptherrenhaus das jähe Ende. Es wurde abgerissen und namens des neuen Eigentümers Königlicher Landes Ökonomierath Dr. Lüdersdorf durch ein zweistöckiges Schloss ersetzt. Mit dem Feuer vom 21. Februar 1919 kam für das Schloss das letztendliche Aus. Zuvor waren dort während des 1. Weltkrieges das Militär untergebracht. Der städtische Einfluss in das dörfliche Antlitz kam mit der Parzellierung des Gutsbezirks. Wie im Prenzlauer Berg stürzten sich nach der Parzellierung des ehemaligen Gutsgeländes und der noch vorhandenen Feldmark Bauspekulanten, Bauvereine und -gesellschaften auf das neu geschaffene Bauland und bebauten es mit Mietshäusern.

Kindl Klause Porr am Hamburger Platz Am StammtischWenige Schritte vor der heutigen Buschallee befand sich damals der Alte Dorfkrug (später Café Rettig), erste gastronomische Einrichtung, welche mit Krugrecht ausgestattet betrieben wurde. Dieses recht beinhaltete nicht nur den Verkauf von Gerstensaft sondern verpflichtete auch zur Beherbergung von Durchreisenden. Im Alten Dorfkrug wurde später dann auch der Verkauf von Weißensee an Gustav Adolf Schön verhandelt. Wie auf der Zeichnung "Empfang der königlichen Familie in Weißensee bei ihrer Rückkehr nach Berlin, am 23. Dezember 1809" zu sehen steht die königliche Familie vor dem Major Schütz´schen Hause, welches später der "Zum Grünen Baum" wurde. Diese befand sich unmittelbar vor dem Weißen See aus der Sicht des Weißenseer Weg kommend. Einer Straßenverbreiterung fiel der beliebte Berliner Kindl Ausschank zum Opfer, der sich am Weißenseer Weg/Berliner Allee befand. Das heutige Kulturhaus "Peter Edel" gehörte einst zu den Baute von Sterneckers "Weltetablissements". Zu diesem gastronomischen Ensemble bildete das heutige Kulturhaus das Eingangsrestaurant, was sich unmittelbar vor dem "Bäuerlichen Ballhaus" befand. Der Berliner Fritz Kretschmer bewarb sich 1874 um die Baugenehmigung für ein Kopenhagener Tivoli an der Amalienstraße 1, welches bis zum westlichen Eingang des Parks reichte. Ein Musikpavillon, Gartentheater, Tanzsäle und gastronomische Einrichtungen sollten unmittelbar am See entstehen. Verwirklichen konnte er lediglich ein Restaurant (Kinderhaus "Honighut"). Das Hin und Her mit verschiedenen Bauherrn führte schließlich zur Aufgabe des Vorhabens. Zirka zehn Jahre (1885) später versuchte der Gastwirt und Bierbrauer Rudolf Sternecker sein Glück, baute Schloss nebst Park zum Restaurationsbetrieb "Welt Etablissement Weißensee" aus. neben dem schon erwähnten Eingangsrestaurant und dem bäuerlichen "Holz Ballhaus" entstanden Bierhallen und -gärten, Musik- und Verkaufspavillons, ein Seetheater (Vorläufer des 1912 errichteten Freibades), eine Schweizer Berg- und Talrutschbahn, Riesenkarussell und Riesenrad, Schießhalle, Hippodrom und vieles mehr. Grüner Baum am Weißenseer See Die Liste kann noch ewig weitergeführt werden. Die Schlosssäle und auf den Freiflächen davor wurden größere Veranstaltungen durchgeführt. Um für den benötigten Nachschub zu sorgen eröffnete Sternecker in der Berliner Allee 121 - 125 seine Brauerei "Zum Sternecker".  Schließlich meldete er 1897 Konkurs an und in der Nachfolge wurde sein gastronomischer Betrieb durch stets wechselnde Betreiber geführt. 1908 übernahm die nunmehr wohlhabende Gemeinde das gesamte Areal rund um den See und führte es der kommunalen Nutzung zu. Das Schloss wurde dann während des 1. Weltkrieges durch eine Kriegsgarnison genutzt, die bei ihrem Abzug ihre Strohsäcke anzündeten bei dem das Schloss in Flammen aufging und für immer zerstört wurde. Die ehemalige Terrasse des Schlosses erkennt man heute nur noch an der etwas höher gelegenen Freifläche (Parkweg, gegenüber Lindenallee). 1913 eröffnete am See gegenüber der Badestelle das kommunal betriebene "Milchhäuschen". Einst war es das ehemalige Gartenhaus des Schlosses, was bei dem verheerenden Brand von den Flammen verschont wurde. In den ersten Jahren diente das Milchhäuschen als Sammelstelle von Ammenmilch für bedürftige Kinder. Im Jahre 1967 musste es wegen Baufälligkeit abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.  Seither dient es als beliebter Aussichtspunkt auf den See mit der Fontaine, den Ruderbooten und die gegenüberliegende Badeanstalt.

Treffpunkt der Revolutionären um 1918 war die Gaststätte "Zum Prälaten" in der Lehderstraße. Hier gründete sich die Weißenseer Ortsorganisation der Kommunistischen Partei.

Munizipalviertel - Blick über den Schwaneteich zur Bethanienkirche Gründerzeit Weißensee hat sich bei der Bebauung in der Gründerzeit in Vierteln aufgeteilt. Das französische Viertel entstand südöstlich der Königschaussee, heute bekannt als Komponistenviertel (Bizetstraße, Borodinstraße, Gounodstraße, Puccinistraße und Chopinstraße). Dieses bebaute Ernst Gäbler mit seiner "Gesellschaft für Mittelwohnungen". Mitten auf dem Feld entstanden erste trist und schmucklose Mietshäuser an der heutigen Bizetstraße. Alle ohne Wasserversorgung oder sanitäre Einrichtungen, so wollte man erst einmal schnelles Geld machen, denn Berlin platzte völlig aus den Nähten und Wohnraum war gefragt. Diese Wohnungen wurden dann auch noch zu Mietwucherpreisen vermietet. In den späteren Bauphasen bekamen die Häuser dann schon Balkone oder Erker und die die Fassaden wurden vermehrt schmuckvoller gestaltet. Auf den Eckhäusern wurden teilweise schöne Kuppeln verbaut und vor den Häusern kleine Vorgärten angelegt.

Auf den ehemaligen Pistorius`schen Gutsfeldern entstand im Planquadrat Gustav Adolf Straße, Amalien- und Albertinenstraße, Berliner Allee und Gäblerstraße das Munizipalviertels. Dieses Viertel schrieb Geschichte bei der Vereinigung von Neu - Weißensee mit dem alten Dorf Weißensee. Die Bebauung sollte erst wie im Französischen Viertel ablaufen, als der damals im Jahr 1905 amtierende Bürgermeister Dr. Carl Woelck seinem Gemeindebaurat Carl James Bühring fragte, ob dies denn sein müsse. Bürgermeister Woelck versuchte zu dieser Zeit die beiden Teile von Weißensee zusammenzuschließen und stellte sich eine andere Architektur vor, als sie schon im Prenzlauer Berg praktiziert wurde. Weißensee sollte nicht das gleiche Schicksal wie der Prenzlauer Berg erleiden. Zu diesem Zwecke wurde Carl James Bühring als Weißenseer Gemeindebaurat berufen. Es sollte eine bessere Wohngegend geschaffen und höhere Bürgerschichten angesprochen werden. Blick vom Schwanenteich zur Bethanienkirche Er stellte sich Reihenhäuser vor, die trotzdem viel Platz für Wohnungen boten, sie sollten viel Licht bieten und das Grün sollte nicht nur von den Blumenkästen kommen. Architektur und vorhandene Landschaft sollte fließend ineinander übergehen und es sollten keine Baumaterialen der typischen Mietskasernen zum Einsatz kommen. Den Anfang machte der Pistoriusplatz, hier sollte ein Markt entstehen, wo Bauern aus der Umgebung ihre Waren verkaufen konnten. Ein Brunnen sollte diesen Platz zieren. Der Markt wurde realisiert, aus dem Brunnen wurde lediglich ein Blumenbeet. Auf der anderen Seite der Pistoriusstraße entstand in märkischer Backstein Architektur rund um den Kreuzpfuhl - das Munizipalviertels. Der Kreuzpfuhl wurde Mittelpunkt des neuen Viertels, wo auch schon das Gemeindeforum von Neu - Weißensee lag. Ebenfalls mit eingebunden wurde der Goldfischteich, der sich unmittelbar mit anschließt. Hinzu kamen in das geplante Munizipalviertels Kommunalbauten, wie das Reform Real Gymnasium, eine Sport- und Festhalle und eine Pumpstation. Der beauftragte Architekt Carl James Bühring nutzte bewusst den gebrannten Stein als Gestaltungselement im Kontrast zur vorhandenen Natur. So kam es auch zu unserem schönen Eingangssatz über die Farben von Weißensee.

Das Gründerviertel, entlang der Langhansstraße (ehemals Königschaussee), war Bindeglied zwischen dem nseer Antonplatz und der Weißenseer Spitze, begrenzte sich aber auf das Teilstück zwischen Roelkestraße und Gustav Adolf Straße. Denn nur hier, zwischen diesen beiden Querstraßen verlief die Langhansstraße. Das Gründerviertel wurde ebenfalls zu dieser Zeit gebaut und trägt seinen Namen, weil dessen Straßen mit den Namen der Gründer benannt wurden. Ackerbürgerhäuser und Mietsbauten - Lothringenstraße 1889 Mit der Zusammenlegung des ehemaligen Gutsbezirks (Neu - Weißensee) und dem Dorf Weißensee im Jahr 1905 nannte sie sich nunmehr "Gemeinde Weißensee". Die Bebauung der parzellierten Flurstücke ging stetig voran und Weißensee nahm erste städtische Züge an. Was früher der Mittelpunkt im alten Dorfkern war, ist hat nun der Antonplatz als zentraler Verkehrs- und Geschäftsknotenpunkt übernommen. Mit dem 17. Dezember 1875 wurde der Antonplatz für öffentlich erklärt. Für die finanzielle Unterstützung bedankte sich Gustav Adolf Schön, indem er den Platz nach dem Vornamen seines Bruders (Anton Matthias Schön) benannte. Noch heute kann man sehen, dass die Langhansstraße (Traugottstraße, Langhansstraße, Otzenstraße) und die Berliner Allee (seit 1880 Königschaussee, 1910 Berliner Allee, 1953 Klement Gottwald Allee) die Geschäftsstraßen von Weißensee waren. 1897 wurde zu Ehren und anlässlich des 100. Geburtstag Wilhelm den Großen ein Denkmal eingeweiht, dessen Inschrift; Wilhelm dem Großen die dankbaren Bürger des Amtsbezirk Weißensee 22. März 1897 trug. Der Antonplatz mauserte sich in der Folgezeit zum kulturell - geistigen Zentrum der Wilhelminischen Zeit. Um die Jahrhundertwende hieß der Platz eine Zeitlang Kaiser Wilhelm Platz, aber mit Einzug der Weimarer Republik wandelte man das zu Ehren von Wilhelm gebaute Denkmal in eine unterirdische Bedürfnisanstalt um.

Weißenseer Spitze um 1910 Weißenseer Spitze Diesen Namen bekam ein kleiner Winkel von Weißensee, der an der Prenzlauer Promenade mit der Heinersdorfer Straße aufeinander stößt. Und genau an diesem Winkel ist der Mittelpunkt der nunmehr gemeinsamen Stadteile Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee, die genau hier unmittelbar aufeinander treffen. Auf bisher vorwiegend für die Landwirtschaft betriebenen Flächen wurde 1870 ein Viertel aus gemischten Wohn- und Gewerbeeinheiten in typischer Vorstadtbauweise geschaffen. Handwer-ker, wie Buchbinder, Kunstschnitzer, Schneider, Tischler und Schlosser ließen sich hier nieder und gingen auf den kleinen Hinterhöfen ihrer Beschäftigung nach. Ein gutes Beispiel ist die noch spätere Brotfabrik, die sich unmittelbar an der Spitze befand. Sie hatten neben dem Backbetrieb ein kleines Ladengeschäft und auf dem Hof befanden sich die Pferdeställe für die Auslieferung der Backwaren. Als Kulturstääte hat die Weißenseer Spitze schon längst einen Namen und einmal wöchentlich findet auf dem Caligariplatz ein Wochenmarkt statt.

Antonplatz/Ecke Berliner Allee Vom Dorf zur Stadt Im Stil der "Deut-schen Renaissance" bzw. "Spätgotik" und nach Entwürfen von Paul Thoemer sowie Rudolf Mönnich wurde 1906 das Amtsgericht in der Parkstraße fertig gestellt. Vergeblich suchte Weißensee ein eigenes Stadtrecht zu erhalten, welches aber 1910 zum wiederholten Male abgelehnt wurde. Um dieses zu erhalten benannte die Gemeinde ihre Dorfstraße extra in "Berliner Allee" um, was aber nichts nützte. Rund um den Kreuzpfuhl siedelten sich Banken an und sollten das zukünftige Zentrum von Neu - Weißensee sein. 1912 wurde am Weißenseer See nach Plänen vom Architekten Carl James Bühring eine Gemeindebadeanstalt errichtet. Die in das Wasser hinein gebaute 30 Meter lange hölzerne Umkleide auf Holzpfählen trennte zur damaligen Zeit im Wasser badenden Damen und Herren. Für das Strandflair sorgt das eigens von der Ostsee aufgeschütteter Strandsand. Einige Schritte weiter wurde im Jahr 1912 von Hans Schellhorn die Aussichtsterrasse geschaffen. Zwei Tritonen aus Kunststein mit Muschelschalenzusatz zieren diesen schönen Aussichtspunkt auf den Weißen See. Auf der rechten Seite findet sich eine weibliche Figur. Ursprünglich wurde es aber gebaut, um die Kühlanlage des Elektrizitätswerkes zu verdecken. Gleich daneben entstand 1920 die Weißenseer Plansche nebst Wiese. Kommunal gut aufgestellt, mit vielen öffentlichen Einrichtungen und einer eigenen Infrastruktur ging Weißensee als 18. Verwaltungsbezirk in das neue Berlin ein und nennt sich ab jetzt "Berlin Weißensee". Die ehemaligen Dorfgemeinden Malchow, Falkenberg, Wartenberg und Hohenschönhausen werden dem Bezirk Weißensee unterstellt. Bis 1920 war Weißensee dem Barnim und somit der Gebietshoheit von Bernau zugehörig. Um 1925 - 29 entstand das Holländer Quartier zwischen der Schönstraße und Woelckpromenade, der Amalien und Paul Oestereich Straße. Der Wohngebäudekomplex gilt als sehenswertes Beispiel für den Reformwohnungsbau und als Vorläufer Neuen Bauens.

Pfarrkirche Weißensee Pfarrkirche Die Kirche wurde ca. um 1300 als Feldsteinkapelle angelegt dessen heutiger Turmunterbau der einzige Überrest aus dieser Zeit ist. Die zuvor bestandene Holzkirche aus dem 13. Jahrhundert wurde ersetzt. Die im Osten mit einer Kreuzanlage schließende Kirche entwickelte sich vier Abschnitten, die sich auch über mehrere Jahrhunderte erstrecken. Der genannte Turmunterbau ist ein Überrest aus der ersten Bauperiode, die Anfang des 14. Jahrhunderts erfolgte. Das bestehende Schiff der Feldsteinkirche wurde im 15. Jahrhundert aus großformatigen Feldsteinen, die an den Kanten zu Quadern geformt sind und kleineren Ziegelsteinen aufgebaut. Im Obergeschoß entstand ein vom Quadrat zum Achteck einspringender, gotischer gehaltender Ziegelrohbau zeichnete als Wohler die Kirche. Der bereits bestandene Feldsteinsaal war wahrscheinlich nicht mehr zeitgemäß gewesen. Zwei zugesetzte, schmale Fenster sind an beiden Seiten in ihren Umrissen erkennbar und ebenfalls das an der Südwand profilierte Gewände einer vermauerten Spitzbogenpforte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Turm vergrößert und das Kirchenschiff erweitert. Die Kircheschifferweiterung erfolgte 1863 mit roten Maschinenziegeln und 1899/1900 wurde das Querschiff vom Kirchenbaurat Prüfer mit den polygonalen Chor umgebaut bzw. durch fünfseitigen Chor in die heutige Ausdehnung gebracht.

Geweiht wurde die alte Pfarrkirche der Jungfrau Maria, der Heiligen Katharina und dem Evangelisten Johannes. Zu den Inventarstücken der Kirche zählen Altartisch, Taufe und Kanzel, die nach Entwürfen von Werner Richter gefertigt wurden. Von dem Kunstschmied Fritz Kühn wurde das Altarkreuz geschaffen, die Glasbilder in den Apsisfenstern sind ein Werk von Gerhard Olbrich. Gespielt wird eine Orgel von dem Orgelbauer Sauer in Frankfurt/Oder, welche mit 15 Registern auf 2 Manualen betrieben wird. Eine weitere Orgel befindet sich auf dem Empore, kann aber nicht bespielt werden. So nach und nach verschwanden die Kirchenglocken. Im ersten Weltkrieg musste die kleinste eingeschmolzen werden. Die zweite Glocke aus dem Jahr 1664 wurde 1943 geopfert und die größte Glocke aus dem Jahr 1474 schmolz während einer Bombennacht dahin. Der von Nicolai 1786 beschriebene "Alte Altar", mit den aus Stein gehauenen Figuren und Flügeln, die seitlich geöffnet werden konnten, vergoldet und versilbert war bleibt als nicht mehr nachweisbar verschwunden.

Schwer getroffen wurde die Kirche im Jahr 1943, wo sie im Inneren völlig ausbrannte. Verbrannt ist auch der Altar mit den Schutzheiligen. In den Nachkriegsjahren wurde die Kirche von Herbert Erbs in einfacher Form wieder aufgebaut. Der Turm bekam einen vereinfachten Abschluss mit Spitzhelm über das flache Zeltdach. Erst 1948 konnte mit einer feierlichen Christvesper am 24. Dezember die Restaurierung feierlich begangen werden. Dabei hatte die Kirche noch großes Glück, denn Ende der 20er Jahre sollte an der Stelle der Kirche eine U - Bahnstation gebaut werden und die Kirche sollte an den Platz des Blindenheimes ausweichen. Der Geldmangel in der Stadtkasse machte diese Pläne zunichte und die Kirche konnte ihren Standort erhalten.

Bethanienkirche Wegen der stets steigen Einwohnerzahl in Neu - Weißensee zur Gründerzeit entschloss man sich zum Bau einer weiteren Kirche auf dem Gebiet des ehemaligen Gutsbezirks. Auf dem Mirbachplatz wurde nach Plänen des Architekten und geheimen Rats Ludwig von Tiedemann und Robert Leibnitz die Bethanienkirche im Stil der Neugotik gebaut. Der Name Bethanien stammt von einem Dorf in Palästina, nahe Jerusalem und war Heimatort der im neuen Testament der Bibel genannten Geschwister Maria, Martha und Lazarus. Nach Hieronymus wurde in alter Zeit über dem Grab des Gemeinde & Schwesternheim Mirbachplatz Lazarus ein Kirche gebaut. Der Platz selbst ist ein zentraler Punkt, welcher die Schönstraße, Behaimstraße, Pistoriusstraße, Gäblerstraße und Max Steinke Straße verbindet. Somit war die Kirche aus jeder angrenzenden Straße von Weitem schon zu sehen. Benannt wurde der Platz nach dem Oberhofmeister Freiherr von Mirbach, der maßgeblich an der Finanzierung des Kirchenbaus mitwirkte. Der Turmsockel aus Kalkstein und das Glockengeschoss aus roten Backstein misst eine Höhe von 65 Metern. Am Fuße der Kirche wurde um die Jahrhundertwende (1908) das Gemeindehaus im Heimatstil gebaut. Auffällig sind das neo - romanische Portal mit dem Pelikanmotiv im Pympanon. Leider wurde die Kirche im Zweiten Weltkrieg fast zerstört. Einzig der Turm kam unbeschadet davon. Seit dieser Zeit finden die Predigten im angrenzenden Gemeindehaus statt. Lange Zeit verharrte die Kirche in diesen Zustand. Fehlendes Geld tat der Bausubstanz nicht Gutes. Um der Kirche einen neuen Zweck zu überführen und den weiteren Verfall zu stoppen wurde der Bethanienturm 2007 an den Berliner Architekten und Projektentwickler verkauft.

2. Weltkrieg Mit Erreichen einer sowjetischen Einheit in Falkenberg am 20. April 1945 betraten sie erstmals Weißenseer Boden. Das Ende des Krieges war also nicht mehr weit. Am folgenden Tag wurden die Gemeinden Wartenberg und Malchow befreit und am 22. April befreiten sie schon den Stadtteil Weißensee. Die junge Kommunistin Else Jahn hörte von der nahenden Befreiung und konnte es nicht in dem schützenden Keller aushalten. Diesen verließ sie und rannte den sowjetischen Truppen entgegen. Da sie ortskundig war, geleitete sie einem Voraustrupp durch die Straßen von Weißensee und fiel schließlich durch einen feindlichen Schuss kurz vor Ende des Krieges.

Die größten Schäden hatte der Ort um den Antonplatz zu beklagen. Viele der umliegenden Häuser waren von der Zerstörung betroffen. Ersten Aufgaben waren es die größte Not zu lindern und den Wiederaufbau zu organisieren. Hierzu trafen sich Vertreter der kommunistischen Partei und sowjetische Offiziere um über Maßnahmen zur Normalisierung zu verhandeln. Zerstörte Wasser- und Energieversorgung, unterbrochene Verkehrsverbindungen und die Wirtschaft mussten wieder in Gang gesetzt werden. Größte Sorgen machte es die Bevölkerung mit Lebensmittel zu versorgen. Der Schwarzmarkt begann zu blühen, Tabakmarken wurden gegen Brotmarken eingetauscht. Am 16. Mai 1945 fuhr dann schon der erste Omnibus zwischen Königstor und der Rennbahnstraße.

Stadtbezirk Erste Wiederaufbauarbeiten wurden abgeschlossen und die Versorgung der Bevölkerung verbesserte sich zunehmend. Der Umstand, dass Weißensee zu 50 % aus landwirtschaftlich genutzten Flächen bestand kam nicht nur den Bewohner zugute. So konnten auch andere Teile von Berlin mit versorgt werden. Anfang der 50er Jahre wurden im Rahmen der Wiederaufbauprogramme erste Wohnblöcke errichtet. Im geringen Wohnstandard entstehen Nachkriegsbauten auf ehemals kleinteilig parzellierten  Grundstücken, die zu größeren Grundstücken zusammengefasst wurden. Weil es in Berlin gleiche Straßennamen aus dem Französischen gab entschied man sich zur Änderung des Französischen Viertel in das Komponistenviertel. Weitere Sanierungsprojekte wurden erst einmal auf Eis gelegt, die Wohnbauprojekte in den Neubaugebieten hatten höhere Prioritäten an den Altsubstanzen wurden nur noch notdürftige Reparaturen durchgeführt. Wie im Prenzlauer Berg führte die zum schleichenden Verfall der Bausubstanz. Kurz vor dem Ende der DDR begann man mit der Sanierung des Komponistenviertel, was trotzdem dazu führte, dass ruinierte Bauten abgerissen werden mussten und durch neue ersetzt wurden. Schöne Gründerzeitbauten verschwanden und zwischen den verbliebenen setzte man stillose Plattenbauten.

Brotfabrik" Erste Zerpenschleuser Landbrotbäckerei" - mit dieser Firmierung begann die Geschichte de heutigen Kunst- und Kulturstätte "Brotfabrik". Die Geschichte begann 1890 während der Gründerzeit und der Bebauung der Weißenseer Spitze. Nach der Flucht des verbliebenen Bäckers ins benachbarte Westberlin (1952) wurde die Brotfabrik für den Backbetrieb geschlossen. Im Laufe der Zeit zogen viele Nutzer in das Gebäude ein, so war es einige Zeit Mineralwasserfabrik, ein Geschäft für Berufsbekleidung, Lagerstätte für eine Großküche sowie ein Süßwarenladen. Mitte der achtziger Jahre interessierte sich dann die Kunsthochschule Weißensee für die alte Brotfabrik und eröffnete in dessen Räumen einen Jugendclub. Dieser wird dann ein Jahr später unter den Namen "An der Weißenseer Spitze" eröffnet lädt zu Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Theateraufführungen und Diskussionen ein. Aber schon nach zwei Monaten wird der Club aus politischen Gründen geschlossen und der Stadtbezirk Weißensee übernimmt das Haus als kommunale Einrichtung und eröffnet den Jugendclub im folgenden Jahr mit dem gleichen Angebot. Nun kam der Streit mit den Anwohnern, die für die Einstellung der Livemusik und Discoabende aus Lärmschutzgründen sorgte. Aus dieser Not entwickelte sich die Theatertätigkeit, so dass sich das "Theater an der Spitze" einen Namen machte und somit die Lücke der Livemusik erfolgreich schloss. Nach dem Ausbau des ehemaligen Pferdestalls konnte das Angebot mit Zirkel für Bildhauerei und Keramik erweitert werden. Auch die Kunsthochschule nutze wieder die Einrichtung für Vorbereitungskurse in Malen und Zeichnen, nachdem sie sich aus dem Projekt wegen der Schließung aus politischen Gründen zurück zog. Im Jahr der politischen Wende gründete sich der Galeriebeirat aus freischaffenden Kunstwissenschaftlern und bildenden Künstlern um somit Projekte bei der Kommune durchzusetzen, für die es inhaltliche Vorbehalte gab. Mit Unterstützung sowjetischer Streitkräfte begann die Begrünung des Hofes und der Bau eines Wintergartens. Viele fleißige Helfer aus dem Club waren dabei. Mit Öffnung der Grenzen im gleichen Jahr war es nun  den Betreibern möglich über seine Projekte freier zu entscheiden, Vorgaben seitens des Stadtbezirks Weißensee wurden zunächst auf Eis gelegt. Alle Theaterstücke, Lesungen und Ausstellungen, die vor der politischen Wende nicht möglich waren finden nun ein breites Publikum. Das ehemalige Ladengeschäft wurde nach einer Unterschriftenaktion wieder der Brotfabrik zugesprochen und fortan als Café genutzt und das am 15. Mai 1990 gegründete Kulturzentrum "Brotfabrik" bietet nunmehr ein vielfältiges Angebot aus Kino, Theater Galerie und Liveveranstaltungen an. In der Mitte des gleichen Jahres wurde die Einrichtung dem Kulturamt Weißensee unterstellt und erhielt vom Magistrat 100.000,00 DM für das Kino und Theater zur Verfügung. Es gründete sich der Verein "Glashaus - Verein der Nutzer der Brotfabrik" e. V. In seiner Arbeit knüpfte die Brotfabrik an die alte Kinotradition an, die ein paar Häuser weiter geschlossen wurde. Bald etablierte sich die Brotfabrik zu einer gefragten Kinoadresse und wurde 1992 für sein herausragendes Filmprogramm vom Bundesministerium ausgezeichnet. Auch der Filmemacher Peter Greenway bekannt aus der Zeit der Filmstadt Weißensee besuchte die Brotfabrik. In den Räumen des Pferdestalls wurde eine Fotogalerie eröffnet, wo wechselnde Ausstellungen stattfinden.