Max Richard Skladanowsky

Vom Daumenkino zur Projektion

Der Wegbereiter des Films kam am 30. April 1863 in Berlin zur Welt. Nach seiner Schulausbildung absolvierte er eine Ausbildung zum Fotografen und Glasmaler. Diese fand unter Anderem im Fotografischen Atelier von Werner in der Alten Schönhauser Str. 24 statt, wo er das Handwerk des Fotografen erlernte. Auch in der Schönhauser Allee 48a lernte Skladanowsky, beim Glasmaler und Lithographen Dehn. Im Anschluss ging er noch in die Lehre in der Theaterapparatefabrik Hagedorn wo sein Schwerpunkt besonders bei der Herstellung von Nebelbildern lag. Sein besonderes Interesse galt die Technik optischer und mechanischer Geräte. So war er für die Technik im 1879 gegründeten Familienunternehmen verantwortlich. Neben ihm waren sein Bruder Emil und dessen Vater Carl im Familienbetrieb beschäftigt. Mit Nebelbildvorführungen war die Familie als Schausteller unterwegs, wo er die Projektoren bediente und seine selbst gemalten Glasdias zu aktuellen Themen mit mehreren Camarae Obscurae in Überblendtechnik projizierte. So traten sie im bekannten Berliner Haus, der Berliner Flora (Apollo Theater) auf, tingelten durch ganz Europa auf Jahrmärkten Kirmesfesten und Rummelplätzen auf. Unter dem Namen "Hamilton Theater" präsentierten sie die Show "From New York to San Francisco". Verschiedene Vorläufer seiner Arbeit gab es schon in dem Lebensrad, der Wundertrommel und dem Daumenkino. Sein Ziel war es aber auch Bilder zu projizieren.

Max Skladanowsky während seiner Filmaufnahmen im Pankower Schlosspark 1884 zog die Familie in den Berliner Vorort Pankow, in das Haus Berliner Straße 40, an der Ecke Maximilianstraße. Auch nach dem Ausscheiden des Vaters aus dem Unternehmen experimentierten die Brüder weiter an neuen Attraktionen, wie zum Beispiel an ein elektrisch - mechanisch - pyrotechnisches Wasserschauspieltheater. Das so genannte Lebensrad war die entscheidende Hilfe auf dem Weg zu seiner Erfindung für bewegte Bilder. Auch ein aus Zelluloidmaterial angebotener Rollfilm der Firma Kodak, den er auf einer Auslandreise entdeckte brachte ihn in seinen Experimenten zu seiner Erfindung weiter. So kamen sie Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts ihrem Ziel "Bilder in Bewegung zu versetzen" ein Stück näher. Diese gelang erst 1892 mit einer Kamera im Teststadium. Im Dachatelier des befreundeten Fotografen Fenz in der Schönhauser Allee 147 nutzten sie die Dachterrasse für Außenaufnahmen, wo Bruder Emil als Darsteller fungierte und Max mit einer selbst gebauten Kamera und einem Kodak Rollfilm seinen Bruder aufnimmt. Die aufgenommenen Bilder wurden auf einen Papierstreifen kopiert und aneinander gelegt. Nach dem Daumenkinoprinzip wurde durch Blättern Bewegung in den Bildern geschaffen aber noch keine Projizierung. Für die Vorführung vor Publikum war das System noch nicht ausgereift.

Max Skladanowsky mit deinem Doppelprojektor "Bioscop" Bei einer Reise nach Kristina (Oslo) kam Skladanowsky die entscheidende Idee, den Film mit zwei Projektoren vorzuführen. Die Idee für den Bioscop war geboren. Die Negative der Aufnahmen wurden auseinander geschnitten und in zwei Schleifen kopiert, die dann wiederum durch einen Doppelprojektor laufen sollten. Der zerschnittene Film wurde nummeriert in gerade sowie ungerade Bilder. Auf einem Streifen wurden dann die geraden und auf einem anderen Streifen die ungeraden Bilder wieder zusammengeklebt. Um die Bilder wieder in die richtige Reihenfolge zu setzen kam eine kammerartige Blende zu Einsatz, die dann die Projektion mit Hilfe beider Objektive abwechselnd auf- und abblendete. So kamen sie Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts ihrem Ziel "Bilder in Bewegung zu versetzen und öffentlich aufzuführen" ein weites Stück näher. Es fehlten nur die nötigen finanziellen Mittel, um dieses Vorhaben zu verwirklichen. Sie besaßen weder eine Rollfilmfabrik, ein Fotoatelier oder eine optische Werkstatt. Der Vater war allein mit den Nebelbildern in Europa unterwegs und Bruder Eugen war als Artist beim Zirkus Renz angestellt bzw. als Schauspieler zeitweise engagiert. So blieb nur der Weg zur Deutschen Bank, die Max Skladanowsky aufsuchte um ein paar hundert Mark Kredit zu bekommen. Doch Direktor Mankiewicz hatte kein Gehör für Skladanowsky`s Visionen, ahnte nicht, dass vor ihm der Filmpionier saß. Erst mit der Gründung der UFA stieg die Bank 25 Jahre später als Hauptaktionär ein, wo dann Millionen flossen.

Pankower Lichtspiele, Inhaber David Heimann Berliner Straße 27 im Jahr 1915 Die Wohnung der Skladanowsky Familie befand sich unweit des Gartenlokal vom Gastwirtes Sello in der Berliner Straße. Es war die Gaststätte Feldschlösschen, die eigens als erstes Kino der Welt fungierte. Hier fanden sie einen interessanten Ort für ihre Filmaufnahmen und richteten sich ein Atelier ein. Dieses Lokal lag genau auf dem Grundstück wo sich einst das Kino Tivoli stand. Skladanowsky zeigte hier einem auserwählten Publikum seine ersten lebenden Bilder. Hatte das Lokal Ruhetag, dann wurde das Etablissement als Filmstudio genutzt. Der Wirt war sehr kooperativ und stellte auch manchmal ein Schild mit der Aufschrift "Heute wegen Filmaufnahmen geschlossen" heraus.

Sein Sohn Erich Skladanowsky schrieb später in einem unveröffentlichten Manuskript "Vom bunten Nebelbild zum weltumspannenden Zelluloid";

Im großen Garten der Gastwirtschaft, wo der alte Brauch galt "Hier können Familie Kaffee kochen", wurde sozusagen das erste Freilichtatelier eröffnet, und zwar Anfang Mai 1895. Ein großer Vorhang wurde aufgestellt, vor dem bekannte Varietékräfte ihre charakteristischen Künste ausführten und von der Bioscop - Kamera für die Ewigkeit auf den Film gebannt wurden. Die erste Szene war "Italienischer Bauerntanz der Kinder Ploetz - Larella", die als mondänes Tanzpaar die Varietés der Welt bereisten. Die Jongleurszene wurde dem bekannten Jongleur Paul Petras dargestellt...

Zur alleinigen Beleuchtung und Aufhellung diente die größte Jupiterlampe der Welt, unsere liebe Sonne, die gewöhnlich sich dann immer hinter den Wolken versteckte, wenn man sie brauchte. Das Kameraobjektiv war durch den Ankauf zweier Achromaten für - sage und schreibe - drei Mark von dem bekannten Optiker Obenaus jr., Am Köllnischen Park, verbessert worden.

Das war damals noch nett und gemütlich. Freiwillig und uneigennützig stellten sich die ausübenden Künstler im Interesse der Sache zur Verfügung. Der alte Gastwirt Sello und seine Kollegen verlangten nicht die geringste "Ateliermiete" sondern halfen bei den Vorbereitungen der Aufnahmen noch wacker mit.

Friedrich Wilhelminisches Theater in der Chausseestraße Nicht nur im Pankower "Feldschlösschen" drehte Skladanowsky seine ersten bewegten Bilder, auch im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater (Metro Palast) in der Chausseestr. 25/26 wo sich Brother Miltons  komisch am Reck produzierten und im Hansa Palast Moabit, wo die drei Tscherpanoffs ihre original russischen Tänze aufführten. An diesen Orten wurden später die ersten Kinos eingerichtet, die die Zeit der Varietés ablösten. Die gefilmten Künstler spielten in diesen Häusern und wenn es heute nur ein Katzensprung von der Chausseestraße nach Pankow ist, war es doch früher meilenweit entfernt. Die Künstler waren nur schwer zu bewegen in das ländliche Pankow zu fahren. Und das sie in ihren Häusern mitunter fast täglich auftraten, so war es kein Problem mal für die Skladanowskys vor einem neuartigen Apparat ihre Künste vorzuführen.

In den Sommermonaten wurde im Berliner "Wintergarten" am neuen Programm für den kommenden Herbst und Winter gearbeitet, wofür neue Attraktionen gesucht wurden. Auf Einladung Skladanowskys reisten die Direktoren Julius Baron und Franz Dorn des Berliner Wintergarten Varietés mit einer Pferdedroschke 1. Klasse im Sommer 1895 nach Pankow zum "Feldschlösschen". Neugierig auf die Nachricht, dass sich Skladanowsky mit lebenden Photographien beschäftigte folgten sie der Einladung und ahnten bis dahin nicht, dass sie der Geburtsstunde des deutschen Films beiwohnten. Interessiert bestaunten sie zuvor im Gartenlokal gedrehte Kurzfilme, die Skladanowsky im Frühjahr dort drehte. Die Direktoren waren so begeistert, dass sie sodann das ganze Programm als Debüt für ihren Wintergarten engagierten. Für eine Gage von 2500 Mark musste Max Skladanowsky zusagen, dass er die bewegten Bilder in keinem anderen Theater vorführen dürfe. Mit großen Anzeigen in den Tagesblättern kündigte der Wintergarten sein neues Programm mit dem Bioskop von Max Skladanowsky an. Hauptattraktion sollte Mademoiselle Gabriele Juniori vom Londoner Empire Theatre sein. Das 15minutige Programm von Skladanowsky begleitet mit dem Wintergartenorchester sollte am Ende als Rausschmeißer dienen.

Anzeige aus dem Berliner Lokal - Anzeiger Im November des gleichen Jahres war es dann soweit. Das Bioscop findet im Berliner Wintergarten im Central Hotel an der Friedrichstrasse seine Uraufführung. In dem 15minutigen Programm wurden aufgenommene Varieténummern abgespielt und das anwesende Publikum war hellauf begeistert. Um den Projektor für das Publikum unsichtbar zu machen musste die Leinwand feucht gehalten werden. Dies übernahmen das Gesangsduo Philip und Robert Nickel, die die Leinwand nass spritzten. Die Direktoren waren wohl überrascht, dass jeder einzelne Film der Brüder Skladanowsky mit großen Applaus bedacht wurde, der Beifall wollte kein Ende nehmen. Kurz zuvor war das Publikum verwundert, dass sich das Licht im Saale für die nächste Aufführung verdunkelte. In den Sonntagsausgaben der Zeitungen fand das Bioskop eher weniger Beachtung als beim Publikum des Wintergartens. Die Gebrüder Skladanowsky hingegen bekamen Angebote aus aller Welt, die ebenfalls die Vorführung mit dem Bioscop sehen wollten. Das Bioscop wurde beim Reichspatentamt mit der Nummer 88599 angemeldet, denn im Wintergarten tauchten schon bald die ersten Spione auf, die hinter das Geheimnis des Doppelprojektors kommen wollten. Trotz einiger Vorsichtsmaßnahmen durch angebrachte Atrappen kamen Diebe an die Filmrollen. Der Vorsicht Skladanowskys war es zu verdanken, dass es noch Kopien von diesen gab. Nach einem Monat Wintergarten war das Programm herausgenommen worden. Warum, ist heute nicht mehr nachvollziehbar, da erfolgreiche Nummern meistens im Programm verlängert wurden.

Nach einem weiteren Gastspiel in Hamburg reisten die Brüder schließlich nach Paris, dessen Reise mit vielen Turbolenzen versehen war. Schon an der Grenze zu Frankreich in Maubeuge kamen die ersten Probleme auf die Brüder durch die Zollbeamten zu. Die Zollbeamten taten sich schwer mit den mitgeführten Bioscopfilmen. Mit Misstrauen beäugten die Beamten die biegsamen Celluloidstreifen, waren die aneinander geklebten Bilder in keiner Zolltabelle vermerkt. Da sie keinen Rat wussten riefen sie schließlich ihren Zollinspektor herbei. Aber auch dieser wusste keinen Rat und schließlich platzte dem Zugführer der Kragen und schob die Zollbeamten aus seinen Zug. Mit Verspätung setzten sie nun ihre Fahrt fort. In Paris angekommen wartete schon die nächste Überraschung auf die Brüder. Im Grand Café vom Boulevard des Capucines kam es an diesem Tag zu einer Vorführung der Gebrüder Lumiére. Mit dem Direktor der Folies Bergéres nahmen sie an der Vorführung teil und mussten feststellen, dass zwei ihnen bis dahin Unbekannte eine gleiche Idee hatten. Obwohl die Gebrüder Skladanowsky einen rechtsgültigen Vertrag mit den Folies Bergéres hatten verzichteten sie auf ihre Vorführung. Sie erhielten ihre Gage sowie Spesen und kehrten sichtlich enttäuscht nach Berlin zurück. Die Gebrüder Lumiére wurden hingegen in Frankreich groß gefeiert. Zahlreiche weitere Auftritte der Brüder Skladanowsky in Deutschland und im Ausland folgen mit Szenen aus dem Berliner Stadtleben sowie aus der Komik. Sie kamen auch an viele Orte, wo sie schon mit ihren Nebelbildern unterwegs waren.

1896 zogen die Skladanowsky's in die Buchholzer Straße 14, eine Querstraße der Schönhauser Allee. Mit dem Umzug kam ein weiteres Problem auf sie zu. Das Gewerbe, welches beim Landkreis Niederbarnim registriert war, wurde von der Gewerbepolizei des Königlichen Polizeipräsidium abgelehnt. Somit fand die letzte Bioscop Vorstellung im März 1897 in den Stettiner Centralhallen statt, bevor die Zulassung endgültig ablief. Trotz der Schwierigkeiten brachte ihnen der Umzug auch Vorteile. Pankow verfügte zu dieser Zeit noch nicht über fließendes Wasser, das für die Filmentwicklung benötigte Wasser musste stets aus einem Brunnen herangeschafft werden. Die neue Wohnung hingegen verfügte schon über eine Wasserleitung und der befreundete Fotograf Wilhelm Frenz wohnte nicht weit weg. Die Küche diente als Dunkelkammer und Labor. Auch die Entwicklung neuer Technologien konnten die Brüder für ihre Arbeit nutzen. Mit einer neuen Kamera und einem neuen Einbandprojektor mit selbst entwickelten Malteserkreuz konnte die Geburtsstunde des deutschen Films verbessert werden. Das Projektionsbild konnte auf 4 x 6 Meter vergrößert werden.

Schönhauser Allee/Ecke Pappelaalle gegen Ende des 19. Jahrhunderts Seine Arbeiten konzentrierten sich nun vornehmlich um das Berliner Leben. Beim befreundeten Fotografen Fenz machten sie nun Panoramaaufnahmen über das bunte Treiben am U - Bahnhof Danziger Str. in der Schönhauser Allee. In Berlins Mitte filmten sie die Wachablösung an der Neuen Wache Unter den Linden, vom Balkon des Café Bauer Unter den Linden/Friedrichstraße filmten sie das bewegte Leben auf der Straßenkreuzung und der Pankower Vorortbahnhof Schönholz diente als Kulisse für einen Bahnhofsfilm. Dieser Bahnhof war nicht überdacht, so das die Sonne das Treiben auf dem Bahnhof gut ausleuchten konnte. Ebenfalls interessant war die Arbeit der Berliner Feuerwehr. Um die Ausfahrt der Feuerwehr aus der Wache Lindenstraße filmen zu können, sollte sein Max sein jüngerer Bruder die Scheibe eines Brandmelders einschlagen während Max die Ausfahrt der Feuerwehr filmte. Da für die missbräuchliche Nutzung des Feuermelders eine Gefängnisstrafe drohte trug Max Skadanowsky dem amtierenden Branddirektor sein Vorhaben vor, der es mit Interesse aufnahm und den Skadanowsky Brüdern die Filmerlaubnis erteilte.

Die Rache der Frau Schulze - Szene mit Eugen Skladanowsky Sein Bruder Eugen inspirierte Max zu Filmen mit einer inszenierten Geschichte, war er doch ein viel beschäftigter Akteur in diversen Zirkusunternehmen. Einer der ersten deutschen Filmstreifen war "Der nächtliche Freier". In "Die Rache der Frau Schulze" war der Untermieter, gespielt von Eugen das Opfer der Vermieterin. Den ersten kleinen Spielfilmen folgten erste Werbefilme für Unternehmen und Trickfilme. In der Gneiststraße vom P renzlauer Berg fand Skladanowsky eine neue Filmkulisse in der Kneipe von Matz. Tochter Gertrud agierte vor ihrem Puppengeschirr. Mit in der Kulisse war eine Büchse "Liebig`s  Fleischextrakt", die die Tochter als wohlschmeckend anpries. Die Liebig A. G. war von der Werbewirksamkeit dieser kleinen Filmchen so überzeugt, dass Max Skladanowsky für einen der ersten deutschen Werbespots engagiert wurde.

Eintrag aus dem Adressregister Um von dem rasanten Aufstieg der Kinematografie zu nutzen gründete Skladanowsky verschiedene Firmen, die sich mit Kurzfilm und dem Lustspiel beschäftigte, was aber weniger von Erfolg gekrönt war. Streitigkeiten mit dessen Bruder Emil um die Rechte an der Erfindung wurden von Urheberrechtskammer Berlin zugunsten von Max entschieden. Die technische Überlegenheit und kluge Geschäftspolitik von Lumiére und Messter machten den Pionier des Films zunehmend zu schaffen. Sie ließen in der ganzen Welt Filme drehen, richteten Kinos ein und verkauften ihre Projektoren an weltweite Interessenten. Die eigentlicher Pioniere des Films wurden zunehmend in den Hintergrund gedrängt, denn auch in Berlin fanden die Konkurrenten aus Frankreich ihren Platz. Der Verlust des Gewerbescheins trug mit an dem Schicksal von Skladanowsky bei. Sein Bruder Emil ließ sich schließlich in der Rixdorfer Jonasstraße 1 als Physiker nieder und Max selbst bezog den 1. Stock des Hauses in der Linienstraße 32 mit seinem "Neuheiten Vertrieb". Dies waren lebende Fotografien in Buchform, die sich beim schnellen Blättern eine Geschichte erzählten. Diese fanden Verwendung als Werbeblätterbücher, die es sogar auf die Leipziger Buchmesse schafften. Später richtete Max Skladanowsky in der Linienstraße die "Fabrik photographischer Apparate und Bedarfsartikel" ein. Er experimentierte mit der Stereoskopie und Farbfotografie, baute Projektoren und spezialisierte sich auf Lichtbilderproduktion. Er lebte auch vom Verkauf selbst entwickelter Kameras.

Kinematographentheater in Schönholz von Max Skladanowsky In den Folgejahren zogen die Brüder mehrere Male um. Emil zog nach Lichtenberg in die Friedrichstraße 66, Max in die Schwedter Straße 35a. 1908 zog Max dann in seine alte Heimat, nach Niederschönhausen in die Waldowstraße 28 zurück. Seine Fabrik zog in die Schönhauser Allee 56. An seiner neuen Adresse wurde Max Skladanowsky wieder als Filmvorführer tätig. Mit seinem Kinomatographen - Theater führte er auf der Festwiese von Schönholz seine gedrehten Filme. Die Leute mit seinen Filmen zu begeistern fiel zunehmend schwer, da immer mehr repräsentative Kinos in den ehemaligen Varietétheatern einzogen. Die Filmvorführer auf den Festplätzen hatten es zu der Zeit schwer, benötigten sie doch für ihre Arbeit einen Wandergewerbeschein. Der Wandergewerbeschein kostete für ein Jahr 48 Mark, war aber kein Garant, dass man auf dem Kirmesplatz eine Erlaubnis für seine Vorführungen hatte. Skladanowsky war stets dem Wohlwollen des zuständigen Polizeichefs ausgeliefert, der nach seinem Ermessen entschied.

Bis an sein Lebensende stritt der Filmpionier Max Skladanowsky um Anerkennung und einem Platz in der deutschen Filmgeschichte. Am 30. November 1939 verstirbt Max Skladanowsky in Berlin und fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof Buchholzer Straße/Hertaplatz in Pankow/Niederschönhausen. Der "Berliner Lokal-Anzeiger" schreibt am Freitag, 1. Dezember 1939;

Max Skladanowsky gestorben - Sein Ruhm, Erfinder des deutschen Films - unsterblich

Im Alter von 76 Jahren ist Max Skladanowsky, der Erfinder des deutschen Films, am Donnerstag in Berlin gestorben. Er hatte am 1. November 1895 im Berliner Wintergarten den ersten Film der Welt vorgeführt und durfte es erleben, daß im Verlauf von mehr als vier Jahrzehnten seine Erfindung sich aus ihrer ursprünglichen Primitivität zum Weltwunder entwickelte.

Um die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts kam Max Skladanowsky der Gedanke, die damals schon beliebten starren Projektionsbilder "lebendig" zu machen. Der Augenblick, da er diesen Gedanken faßte, und zwar um etliche Rasenlängen frührer als irgendein anderer auf der Welt, war die Geburtsstunde des Films. Max Skladanowsky hatte seinen genialen Einfall, als er an einem Spielzeug, dem sogenannten "Lebensrad" herumbastelte - an einer Papptrommel, deren Blickschlitze bei entsprechend rascher Drehung gezeichneten Bildstreifen Leben einzuhauchen schienen. Mit seinem Bruder Emil zusammen schuf er einige Jahre später das erste Filmaufnahmegerät. Immerhin leistete der Apperat schon acht Bilder in der Sekunde. Aber was nützte die Aufnahme ohne Wiedergabe? Die beiden Brüder arbeiteten in der Stille und in kleinen Sälen, die sie sich für ihre Zwecke mieteten, an dem neuen Projektionsapparat, der aber erst 1895 wirklich vorführungsbereit stand. Unter der Nummer 88599 erhielt der Apparat das deutsche Reichspatent.

Der damalige Direktor des Wintergartens hatte von dem Schaffen der beiden Brüder einiges läuten hören. Als weitblickender und dem Neuen stets zugewandter Varieté-Fachmann sagte er sich: "Hier liegt etwas in der Berliner Luft!" Er sah sich den Vorführungsapparat - "Bioskop" genaust - in einem Saal, dem späteren Walhalla-Theater, an. Er war begeistert. "Meine Herren, Sie sind Millionäre!", sagte er.

Max und Emil Skladanowsky hörten diese Prophezeiung wahrlich nicht ungern. Sie sahen in diesem den Himmel, wenn auch nicht voller Geigen, so doch voller Goldstücke. Sie hatten zu dieser optimistischen Auffassung sicherlich auch alles Recht, denn sie wirden mit ihrem "Bioskop" für eine Monatsgage von 2250,- Mark an den Wintergarten verpflichtet. Am 1. November 1895 - eine Gedenktafel am Wintergarten berichtet noch heute von dem Ereignis - startete die erste öffentliche Filmvorführung der Welt.

Die beiden Brüder reisten durch viele Länder, sie kamen durch halb Europa, sie erlangten Weltruhm. Aber sie bastelten weiter an ihrer Erfindung und mühten sich ständig um Verbesserungen. Der dritte Bruder, Eugest, ein Artist, schlug ihnen vor, mit dem Aufnahmegerät kurze pantomimische Szenen zu drehen. Das war schon 1896. Damals wurde stockstumm und dennoch knalllebendig der erste - Spielfilm gedreht.

Ging nun die Prophezeiung des Direktors, der Max und Emil Skladanowsky zuerst engagierte, in Erfüllung? Wurden die Brüder Millionäre? Nein, das Schicksal ging mit seinem Füllhorn für sie später recht sparsam , jahrelang sogar mehr als geizig um. Max Skladanowsky hat seinen Lebensabend zwar ohne schwere materielle Sorgen verbringen können, aber der wahre Lohn für ihn ist zeit seines Lebens doch immer nur der Ruhm geblieben, Bahmnbrecher des Weltwunders Film gewesen zu sein. Dieser Ruhm allerdings ist unvergänglich...

In Niederschönhausen wurde die Wrangelstraße in Skladanowskystraße umbenannt. An seinem ehemaligen Wohnhaus in der niederschönhausener Waldowstraße wurde ihm zu Ehren eine Ehrentafel angebracht. An der "Ecke Schönhauser" wurde an der Stelle, wo sich das Haus befand, in dem die Brüder Skladanowsky ihre ersten Filmaufnahmen machten, im Straßenpflaster gedacht. Auch auf dem "Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz ziert ein Stern mit seinem Namen und Unterschrift den sogenannten "Roten Teppich" der deutschen Filmgeschichte.

Zu seinen Werken zählen:

1896Nicht mehr allein
 Alarm der Feuerwehr
 Ausfahrt nach dem Alarm
 Am Bollwerk in Stettin
 Ankunft eines Eisenbahnzuges
1897Die Erfinder des lebenden Photographien
1913Eine Fliegenjagd
 Der nächtliche Freier
 Die Rache der Frau Schulze
1914Die moderne Jungfrau von Orleans
1927Aus den Kindertagen der Kinematographie
1935Vom Nebelbild zum Filmstreifen

Der Regisseur Wim Wenders widmete den Skladanowskybrüdern mit dem Film A Trick of the Night ("Die Gebrüder Skladanowsky") ein liebevolles Denkmal. In einem Zitat Wenders hob er hervor, dass die Skladanowskys keine Ingeneure waren, sondern Bastler und Schausteller, die das Kino auf eine poetisch und liebenswerte Art mit erfunden hatten.