Buch - Das Zentrum der Siedlungsgeschichte von Pankow
Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es in Pankow lange vor unserer Zeit aussah? Heute gibt es kaum noch Spuren vergangener
Zeiten, allenfalls reichen diese in das 13. Jahrhundert zurück, als unter der Herrschaft der Markgrafen und der Glauben verkündenden Mönche neue
Siedler das Land besiedelten und die Zeit der Slawen ablöste. Aus der Ur- und Frühgeschichte von Pankow wurden zahlreiche Spuren hinterlassen, die
heute Aufschluss gaben, wie vor über tausend Jahren hier gelebt wurde. Vieles kam in der Jahrhundertwende bei Anlegung der Rieselfelder zu Tage.
Aber auch bei der vermehrten Bautätigkeit, als Berlin aus allen nähten platzte und sich in der Gründerzeit nach außen ausdehnte fand man einiges im
Boden der Mark Brandenburg.
In Pankow und seiner unmittelbaren Umgebung gab es nach der letzten Eiszeit vor mehr als 10.000 Jahren ideale Vorraussetzungen für die
Besiedelung des Gebietes. So hinterließ die Eiszeit das Berliner Urstromtal (heutiges Berlin), welches von der Spree durchquert wird und die
Hochflächen, wie die Hochfläche des Barnims. Am besten zu Verdeutlichen lässt sich der Übergang von der Barnimer Hochfläche in das Berliner
Urstromtal am Zionskirchplatz in Richtung Hauptbahnhof. Steil abwärts geht es auf der Veteranenstraße Richtung Brunnenstraße (von den Berlinern
auch Veteranenberg genannt). Etwas kleinere Varianten finden sich auch im Raum Pankow wieder. Hierzu zählen die aus den eiszeitlichen Abflüssen
entstandene Pankeniederung und das Tegeler Fließ, welche ideale Vorraussetzungen für die Besiedlung boten. An der Panke und dem Tegeler Fließ
konnten Wassermühlen betrieben werden, in beiden Flüssen gab es reichhaltige Fischbestände und das das Land bot nahrhafte Böden für den Ackerbau
bzw. der Viehzucht. Zuerst war unser Gebiet für die Besiedelung nicht so interessant, denn die ersten Bauern suchten nach fruchtbaren Löß- und
Schwarzerdeböden, die unsere Region nicht hergab. Wie heute war der Barnim dicht bewaldet und der Boden nur sandig. Aus diesem Grund zogen die
ersten sesshaften Bauern an der Oder bzw. Elbe entlang und besiedelten die Flussniederungen.
Steinzeit Der Begriff dieser Zeit bezeichnet, dass zu dieser Zeit die Werkzeuge überwiegend aus Stein
gefertigt wurden. Älteste Spuren fanden sich aus der Steinzeit an den Karower Teichen dem Bucher Forst und dem Tegeler Fließ wieder. Diese
betrieben dort ihre Jagd nach Rentieren und schlugen an verschiedenen Stellen in der Gegend ihre Lager auf. Als Behausung dienten Zelte aus
Tierhäuten oder sie hatten einfache Hütten aus Reisig und Holz in denen sie lebten. Es waren nomadisierende Jäger und Sammler. Zu den
benutzten Gegenständen zählten Pfeilspitzen aus Knochen für die Jagd sowie Feuerstein, Markasit, Zunder und Stroh für das Entfachen von Feuer. In
großen Gruben, von bis zu 2,8 m Tiefe wurde das erlegte Wild gelagert und diente somit als eine Urform des heutigen Kühlschrank. Bei dem erlegten
Tieren handelte es sich um so genanntes Zugwild, welches auf karger Vegetation lebte. Mit der Mittelsteinzeit änderte sich die Vegetation auf der
Barnimer Hochebene. Das Klima verbesserte sich und die tundrenartige Vegetation wurde durch dichte Wälder aus Eichen, Erlen, Birken, Linden und
zahlreichen anderen Laubgehölzen abgelöst. Es entwickelte sich das Standwild aus Wildschweinen, Hirsch und Rehen, wie wir sie noch heute kennen.
Zu dieser Zeit begann auch der Fischfang in der Pankeniederung und dem Tegeler Fließtal, zu dessen Zweck sich Fischspeere und Netze entwickelten.
Der Mensch wurde wurde sesshaft, hielt die ersten Haustiere (Schaf, Ziege, Schwein und Rind) und begann mit dem Ackerbau. Fast fließend verlief
der Wechsel aus der mittleren Steinzeit in die Jungsteinzeit. Mit Rad und Hakenpflug zogen Rinder die ersten Ackergeräte. Diese bäuerliche Kultur
setzte sich mehr und mehr aus dem südosteuropäischen Raum in dem nordeuropäischen Raum durch und es entstanden erste dorfähnliche Siedlungen aus
Pfostenhäusern mit Lehmverstrichenen Flechtwerkwänden. Aus Feuer- und Felssteinen wurden mit Hilfe von Steinschliff bzw. Steinbohrung erste
Werkzeuge gefertigt und aus dieser Zeit stammt auch die Erkenntnis in der Herstellung von Keramik. Erste Spuren der Arbeitsteilung durch
handwerkliche Spezialisierung bilden sich hervor. Mit dem 3. Jahrtausend v. u. Z. kamen erste Trichterbecherkulturen (Jungsteinzeit) die Spree
aufwärts und ließen sich dauerhaft in kleineren Flusstälern nieder. Klimaschwankungen zwangen vermutlich die damaligen Stämme zum Weiterziehen
bevor sie eine geeignete Stelle für ihre Siedlung fanden, gefundene Streitäxte zeugen davon, dass diese Wanderbewegungen der Stämme nicht immer
friedlich verliefen.
Bronzezeit Ein neuer Werkstoff bringt neue Techniken und eine neue Epoche hervor. Die Bronzezeit konnte
in der Pankower Gegend am Besten im Ortsteil Buch beim Bau der des Klinikums (1899) nachgewiesen werden. Der Archäologe Albert Kiekebusch brachte
bei seinen Grabungen ein ganzes Dorf aus der Bronzezeit zu Tage. Aus verschiedenen Funden von bronzezeitlichen Gegenständen ließ sich schließen,
dass in Buch die größte Ansiedlung aus der Bronzezeit stammte. Abermals aus dem südosteuropäischen Raum kam die Erkenntnis der Legierung von Kupfer
mit Zinn. Es löste die die Steinwerkzeuge ab, denn diese neuen Werkzeuge konnten wieder geschmolzen und zu neuen Werkzeugen geformt werden. Also
eine erste Art von Recycling, wie wir sie heute kennen. Die ersten bronzenen Waffen waren noch vielfach aus Kupfer und die echte Bronze setzte sich
erst einige Jahrhunderte später durch. Die Formen für die Bronzewerkzeuge waren aber weiterhin aus Stein gefertigt. Eine andere Art von Form war
die Wachsform. Das Werkzeug wurde in Wachs geformt, dann in eine Lehmhülle gebracht, welches sich unter Feuer verhärtete und der flüssige Wachs
herauslief. Der Hohlraum wurde mit der Bronze (Kupfer und Zinn = 9 zu 1) aufgefüllt und die erkaltete Form zerschlagen. Diese Form wurde auch
"Verlorene Form" genannt. Neben den Werkzeugen stellten die spezialisierten Bronzegießer Schmuck und Waffen her und verdienten sich so
ihren Lebensunterhalt. Da sich in unserem Siedlungsgebiet keine Vorkommen an Kupfer oder Zinn befanden gibt es aus der älteren Bronzezeit kaum
Siedlungsspuren. Diese Materialien kamen aus den Mittelgebirgen und mussten herangeschafft werden wodurch wiederum die Handelstätigkeit zunahm.
Typisch dafür sind so genannte "Bronzehorte", auch als Depot-, Versteck-, oder Schatzfunde bekannt. Diese wurden meist als Schutz vor
fremden Zugriff angelegt. Sie befanden sich meist in Gewässernähe, denn Flüsse waren die zur Bronzezeit wichtigsten Handelswege. Händler könnten
also bei Gefahr ihre Ware vergraben haben. Kamen sie dabei um blieb dieser Bronzehort erst einmal verborgen, bis dieser irgendwann wieder zu Tage
kommt. Eine andere Variante war die kultische Niederlegung. Meist als Opfer- oder Weihgabe an eine höhere Macht vorgesehen oder aus
prestigeträchtiger Natur könnten die Beweggründe für eine kultische Deponierung gelten. Erst mit dem Auftreten der Lausitzer Kultur (auch bekannt
aus der Urnenfelderkultur) begann die zunehmende Besiedelung. Erneute klimatische Veränderungen brachten erdrutschartige Völkerwanderungen in
Bewegung, die sich auch im Gebiet der Panke bemerkbar machte. Bei den Siedlungsfunden in Buch fand man ein Dorf, welches mit etwa 15 qm großen
Häusern aus Holz und lehmverstrichenen Flechtwerkwänden und die alle mit offenen Feuerstellen versehen waren. Sie betrieben ebenfalls Ackerbau und
Viehzucht und befassten sich mit der Weberei. Die Toten aus der Bronzezeit wurden verbrannt und in Urnen mit Beigaben aus Bronze der Erde übergeben.
Gräberfelder aus der Bronzezeit wurden z. Bsp. in Wilhemsruh nahe einem Zufluss zum Zingergraben und an den Karower Teichen gefunden. Die Siedler
aus der Bronzezeit im Siedlungsgebiet von Pankow gehörten der nordischen Bronzezeitkultur an, welches auf den zahlreichen Funden, wie z. Bsp. das
"Sonnenrad" schließen lässt. Vermutlich handelte es sich damals um eine Grenzregion. Die aus der Lausitzer Kultur bekannten großen Burgen
sind im Pankower Siedlungsgebiet nicht zu finden. Lediglich im Tegeler Fließ, nahe Schildow, wird einer dieser Burgen vermutet. Bei der Anlage von
Kleingärten wurden hierzu einige Funde gemacht. Aus den Depot- und Hortfunden in Wilhelmsruh, Schildow, Buch, Karow, Blankenburg und Schönerlinde
kamen Waffen, Schmuck, Gefäße und andere Gegenstände gefunden. Bei dem Bau eines Supermarktes zwischen der Panke und der Karower Chaussee fanden
Arbeiter mehrere Bronzeschwerter und eine Lanzenspitze. Somit bestätigte sich die bedeutsame Siedlungskammer von Buch.
Eisenzeit Als Hallstatt- und Laténezeit bezeichnen sich die ältere und die jüngere Eisenzeit. Der
Werkstoff "Eisen" löste nunmehr die Fertigung von Werkzeugen und Waffen aus Bronze ab. Lediglich in der Schmuckherstellung behielt die
Bronze ihren Stellenwert. Durch versiegte Rohstoffvorkommen in der Bronzezeit mussten neue Techniken gefunden werden um Werkzeuge und Waffen
herzustellen. Diesmal aus dem südwestlichen Raum Europas kam die Erkenntnis zur Eisenverhüttung durch die Kelten. Der Vorteil war, dass es in der
Form von Raseneisenerz fast überall in den Niederungen der Flussläufe zugänglich war. Auch in der Niederung der Panke ist das rostrote Erz noch
heute zu finden. Gegenüber der spröden Bronze war Eisen elastisch und somit besser zu verarbeiten. Für das Siedlungsgebiet der Panke war dies aber
eher unerheblich, denn viele Siedler aus der Bronzezeit hatten das Pankegebiet verlassen. Die aus dem Norden neu Zugewanderten konnten diesen
Bevölkerungsschwund nicht mehr aufstocken. Während dieser Zeit kamen auch die ersten germanischen Stämme in die Pankeniederung. Sie lebten in den
schon bekannten Pfostenhäusern, nur dass nun weitere Häuser für die Vorratshaltung dazukamen. Auch die Kombination aus Wohnhaus und Stall in so
genannten "Wohnstallhäusern" entwickelte sich. Dabei nutzte man die Wärme des Viehs um der Klimaverschlechterung entgegenzuwirken. Nur
sehr wenig ist aus dieser Zeit gefunden worden. Bedeutendster Fund war eine als Statussymbol geltende bronzene Maskenfibel, keltischen Ursprungs
in Niederschönhausen. Dabei handelt es sich um eine Gewandspange, die Kleidungsstücke zusammenhielten. Siedlungsspuren fanden sich in den
Ortsteilen Buchholz und Rosenthal, Gräberfelder aus der Eisenzeit wurden in den Ortsteilen Blankenfelde, Karow und Buchholz gefunden. Im
Unterschied zur Bronzezeit waren die Urnen aus dieser Zeit in Eisen gefertigt. Als Grabbeigaben galten Gürtelschnallen aber auch Waffen, ebenfalls
aus Eisen gefertigt, die den Toten beigelegt wurden.
Römische Epoche Mit der römischen Kaiserzeit und dessen Imperium, welches noch heute eine
Faszination ausstrahlt begann wiederum ein neues Zeitalter in der geschichtlichen Entwicklung von Pankow. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten
schriftlichen Quellen unseren Völkerstamm. Mit dieser Epoche begann die heutige Zeitrechnung, der Ausbau von Straßen setzte sich durch und aus den
Pfostenhäusern wurden erste Steinbauten. Entlang der Panke, dessen Zuflüssen, wie Kappgraben und Lietzengraben waren mehrere germanische Siedlungen
zu finden. Bei den germanischen Siedlungen der römischen Zeit gruppierten sich die Siedlungshäuser um ein großes Haupthaus, mehrere Speicherbauten
und Grubenhäuser, die eingetieft, aber nicht bewohnt waren. Mit Kalkbrennöfen wurde der abgebaute Wiesenkalk, der in unterschiedlichen Schichten
unter der Grasnarbe oder unter dem Torf geborgen wurde verarbeitet. Dieser ist wasserhaltiger als Kalkstein, in Mooren eher breiig und oft knetbar.
Der gewonnene Branntkalk und die daraus hergestellte Tünche wurden für den kaolinhaltigen Verputz von Häusern verwendet. Diese Anstriche sollten
vor Allem besser vor Witterungseinflüssen schützten und Ungeziefer abhalten. Ebenfalls fand der Kalk auch Verwendung als Zuschlagstoff in der
Eisenerzeugung. Für einen Brennvorgang mussten je nach Art des Ofens 50 - 60m3 Buchholz für 500 Zentner Rohkalk heran geschafft werden.
Auch Kalkknollen, Horn- und Geweihreste sowie Knochenreste brannte man. Die Landwirtschaft war weiterhin das prägende Leben der Germanen in der
römischen Kaiserzeit, lediglich in der Verarbeitung des Getreides wechselte man von der Quetschmühle zur Drehmühle. An der Panke lebten während der
römischen Epoche die Semnonen, ein bedeutsamer germanischer Zweigstamm der Sueben, die zwischen Elbe und Oder lebten. In der zweiten
Jahrhunderthälfte ließen sich dann die Burgunder nieder, eine Untergruppe der Germanen, die aus dem westlichen Schweden und der Insel Bornholm
kamen. Aus dieser Zeiten stammten die gefundenen Urnengräber an der Wollankstraße/Ecke Schulzestraße. Die Semnonen und Burgunder lebten damals
nebeneinander und das Pankegebiet fungierte als Grenzland zwischen den beiden Volksstämmen. Um das Jahr 375 gab es weitere große Völkerwanderungen,
in denen die besiegten Goten vom Schwarzmeer nach Westen abwanderten und andere Völkerstämme mitrissen. Ausgrabungen in Karow bewiesen, dass hier
die Germanen bis zum Anfang des 5. Jahrhunderts lebten. Bei einem Rosenthaler Fund in Form einer Fibel lässt darauf deuten, dass diese in einer Art
Thüringer Gewandnadel gefertigt wurde und somit auf den Einfluss des Thüringer Reichs im Spree Havelgebiet hinweist. Mit der Abwanderung der
semnonischen Bevölkerung nach Süden war das Gebiet der Panke bis auf ein paar Reste unbesiedelt.
Mittelalter Mit Beginn des Zerfalls des römischen Reich im 5. Jahrhundert bewirkte einen tief greifenden
Wandel in der Siedlungsgeschichte des Pankegebietes und war der Anfang der Siedlungen, aus denen unsere ursprünglichen Dörfer entstanden. Mit dem
6. Jahrhundert begann die zunehmende Besiedlung durch die Slawen. Sie kamen aus den verschiedensten Richtungen und stießen auf fast unbewohntes
Land. Sie strömten flussabwärts der Elbe aus Böhmen und über die Oder aus dem Weichselgebiet. Aus dieser Zeit stammt die Burg auf dem Burgwall in
Blankenburg, die aber erst im 7. bzw. 8. Jahrhundert erbaut wurde. Diese Burg bestand bis in das 10. Jahrhundert und wurde vermutlich aufgegeben,
weil sie keine Spuren der Zerstörung aufwies. Die Slawen ließen sich nachweislich auf den ehemaligen verlassenen germanischen Siedlungen nieder.
Sie unterteilten sich in Heveller, die sich im Havelland niederließen und den Sprewanen, die sich im Barnim niederließen. Hier bildete die Spree
mit ihren Wäldern und Sümpfen die Grenze zwischen beiden Völkern. In der Uckermark waren die Ukranen angesiedelt. Bei der Anlage der Siedlungen
errichteten die Slawen ihre Siedlungen nicht nach vorgegebenen Prinzipien, sondern eher wahllos als so genannte Haufendörfer. Für die Haufendörfer
wurden stets Niederungen oder die Nähe zum Wasser bevorzugt. Zu einer Siedlungskammer gehörten mehrere Siedlungen und eine Burg und zu jeder Burg
gab es eine Vorburgsiedlung. Mehrer Siedlungskammern bzw. Burgbezirke bildeten einen Stamm welcher wiederum durch eine große Burg geschützt wurde.
An strategisch wichtigen Punkten wurden diese platziert. Die slawische Burg Spandau war wichtiger Außenposten der Heveller, dessen Hauptburg war
Brandenburg. Bei den Sprewanen war dies der Zusammenfluss von Dahme und Spree im heutigen Köpenick. Beide Punkte hatten nicht nur strategische
Bedeutung sondern waren handelspolitisch wichtig. So waren beide Orte schnell zu frühstädtischen Charakter gekommen. Die Viehzucht und der Ackerbau
sowie Fischerei und Wildbienenzucht waren die Lebensgrundlage der Slawen. Als handwerkliche Tätigkeiten führten sie Töpferarbeiten aus,
verarbeiteten Eisen und Knochen, webten und hatten gesponnen. Die Slawen brachten gegenüber den Germanen neue Fertigkeiten in das Pankegebiet. Ihre
Häuser waren nicht aus lehmverschmierten Flechtwerkzeug sondern die Hütten entstanden in meisterhafter Zimmermannskunst aus Holz. Die Abgrenzung zu
anderen slawischen Völkern erfolgte meist durch unbewohnte Wälder, also als natürliche Grenze. Im Tal des Spreegebietes lag das Heiligtum der zum
Gau angehörenden Zprivauvani. Weitere befanden sich sich auf dem Karlungerberge (Dreiköpfigen Triglaff) bei Brandenburg a. d. Havel und in
Havelberg der Frühlingsgott "Gerowit". Die Slawen beherrschten fast eintausend Jahre das Gebiet der Mark.
Mit der Schenkung eines Teils des sächsischen Landes zwischen Elbe und Ostsee dankte 808 Karl der Große den Slawenstämmen (Abodriten, Polaben)
für den erfolgreichen Feldzug gegen die Sachsen. Die sächsischen Kaiser wollten ihre Ländereien südlich der Elbe zurück. Mit der ersten Phase der
Ostexpansion im 10. Jahrhundert begannen die Eroberungsfeldzüge von König Heinrich I., der im Jahr 929 Brandenburg besetzte und die Slawenstämme
bis zur Oder unterwerfen konnte. In der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts sollte das Land christianisiert werden und erste Bistümer wurden in
Brandenburg und Havelberg errichtet, die die Slawen um 983 zerstörten, weil sie sich nicht unterwerfen wollten. Es war der Lutizenaufstand, wo
verbündete Slawenstämme die deutsche Expansion zurück warfen. Die deutschen Siedler mussten wieder hinter die Elbe, Magdeburg war wieder Grenzstadt.
Die zurückgelassenen Bischöfe waren nun ohne Land (in partibus infidelium). Das Christentum war aber nicht ganz erloschen, die bewiesen der
christliche Obritenfürst Gottschalk mit seinen Söhnen Heinrich und Pribislaw - Heinrich, dem letzten Wendenfürst. Fast zwei Jahrhunderte ruhten nun
die Wiedereroberungsversuche. Die Kämpfe mit dem die Weltherrschaft beanspruchten Papstum lenkten die fränkischen Kaiser vom Osten ab. Als diesen
Lothar von Güpplinburg, ein Kaiser aus sächsischem Stamme, gefolgt war, der in der Grenzwacht gegen das Slawantum groß geworden, da machte sich der
deutsche Zug nach Osten wieder kräftig geltend. Mit dem Zerfall des Lutizenbundes Mitte des 11. Jahrhunderts konnte ein zweiter Versuch gestartet
werden. Die Machtbereiche deutscher Feudalmächte wurden gen Osten ausgedehnt, slawische Gebiete regelrecht eingekesselt und trotz erbitterten
Widerstand mussten sich die verbliebenen Slawen unterwerfen. es war die Zeit einer ungeheuren Kraftentfaltung des deutschen Volkes mit ihren
Kreuzzügen der Hohenstaufen und des deutschen Ritterordens, getragen vom Gedanken des späteren flämischen Leides von "Gau zu Gau". Dem
deutschen Zug förderte Lothar durch die Belehnung des Akaniers Albrecht des Bären mit der Nordmark um 1134. Ein Jahr zuvor begann der Magdeburger
Erzbischof Norbert mit der Begründung des Prämanstratenserklosters Leißkau, den Anfang, das alte Bistum Brandenburg durch Missionierung und
Kulturarbeit wieder zu gewinnen. Starker Waffenschutz war für die friedliche Missions- und Siedlungsarbeit, die es nicht auf die Ausrottung des
Wendentums anlegte, unentbehrlich. Dort wo Wenden sich der neuen Ordnung fügten und die deutsche Hoheit anerkannten, bekamen sie Wohnsitze
zugewiesen, die ihrer Lebensweise entsprachen. Vornehmlich an Flußläufen und Seen. Deren Siedlungsbezeichnungen waren noch lange Grundlage von
Ortsbezeichnungen.
Die Askanier Otto der Freigiebige und Albrecht der Bär beherrschten im 12. Jahrhundert das Barnimer Land und das Gebiet der Finow, wo sie
zahlreiche Burgen (Liebenwalde, Werbelin, Grimnitz, Biesenthal, Eberswalde, Hohenfinow und Oderberg) an der Grenze zu den Pommern errichteten.
Daneben entstanden Bistümer und Markgrafenschaften, die die Christianisierung der Mark Brandenburg voran treiben sollten. Albrecht dem Bären, dem
ersten Markgrafen von Brandenburg (1134/70) gelang es, der Nordmark jenseits der Elbe das Havelland, die Priegnitz und die Zauche hinzuzufügen. In
der zweiten Phase der deutschen Ostexpansion ab Mitte des 12. Jahrhunderts ging es nicht mehr um das slawische Königtum in Brandenburg sondern nur
noch um einzelne Territorialfürsten. Mit dem Wendenkreuzzug sollten religiöse und ideelle Motive der Fürsten befriedigt und die Herrschaftsansprüche
ausgebaut werden. Heinrich der Bär ließ sich vom christlichen Hevellerfürsten Pribislaw Heinrich als Nachfolger einsetzen, weil dieser keine Kinder
hatte. Nach dem Tod des Hevellerfürsten wurde das Hevellerland durch Albrecht II. besetzt. Die alte Slawenburg, südlich der Altstadt Spandaus wurde
aufgegeben, auf dem heutigen Gelände der Zitadelle durch eine askanische Burg ersetzt. Durch Eroberung der Burg Brandenburg durch den slawischen
Sprewanenfürst Jaxa von Köpenick konnte sich dieser die Macht über das Hevellerland bis in das Jahr 1157 an sich reißen. Nach blutigen Kämpfen
konnte Albrecht der Bär seinen Machtanspruch wieder herstellen und eine neue Landsherrschaft auf slawischen Boden begründen. Mit der Beurkundung
Albrechts des Bären zum Markgraf von Brandenburg am 3. Oktober 1157 begann die Geschichte der heutigen Mark Brandenburg. In den nachfolgenden Jahren
gelang es den Askaniern die Gebiete bis zur Oder zu erobern und mit Siedlern aus der Altmark, Flandern und dem Harz zu bevölkern. Die im Panketal
gebliebenen Sprewanen konnten ihre Unabhängigkeit noch einige Zeit bewahren und mit der Zunahme der deutschen niederländischen Siedler blieb ihnen
entweder die Unterwerfung oder ostwärts auszu wandern. Mit der deutschen Besiedlung des ankegebietes verschwanden mehr und mehr die slawischen
Spuren. Während der Herrschaft der Markgrafenbrüder Johann I. und Otto III. begann um 1220 der Landesausbau entlang der Panke und es entstanden
nach und nach die ehemaligen Dorfgemeinden von Pankow. Die deutschen Siedler nutzten zum Teil für ihre Siedlungen slawische Dörfer, wobei die
Ortschaften noch lange slawische Namen behielten. So blieb dem Ort Buch der Name "Wentschenburg" (Buch slavica) bis 1375 erhalten. Die
Nachfolger von Albrecht des Bären bis hin zu Waldemar dem Großen erwarben den Barnim, Teltow, die Uckermark, Lebus und die lausitz hinzu. So ist
aus der Nordmark die Mark Brandenburg entstanden, welche dann unter den Hohenzollern als Kurmark die Urquelle des preußischen Staates und
schließlich des neuen Deutschen Reiches werden sollte.