Seen & Pfuhle

Die blauen Flecken, Seenkette im Nordosten Berlins

Weißensee war einst der wasserreichsten Stadtteile im Nordosten von Berlin. Von den über siebzig Seen, Teichen und Pfühlen sind nur noch wenige übrig geblieben.

Der Kreuzpfuhl - Zentrum des ehemaligen Gemeindezentrums von Neu - Weißensee. Eine kanadische Pappel und alte Trauerweiden umsäumen den kleine Teich, dessen Wasser die Granitmauer, mit ihrem bogenförmigen Regeneinlauf wiedergibt. Hinter dem mächtigen Findling am Rande des Ufers suchen sich die Enten in den heißen Sommertagen ein schattiges Plätzchen. Fälschlicher Weise nannte man diesen Teich früher Schwanenteich. Für seine Größe, sowohl als Schwan, als auch als Teich, passt beides nicht zusammen. Der majestätische Schwan liebt große Gewässer, was der Kreuzpfuhl nun überhaupt nicht bietet. Vom Kreuzpfuhl aus gelangt der Spaziergänger von See zu See zum Weißen See, gesäumt von amerikanischen Wollbäumen, die des Frühjahrs Straßen und Wege verschneien. Auf unserem Weg passieren wir den Goldfischteich, der ebenfalls mit Trauerweiden, Ahorn und Eichen sich schmückt.

Milchhäuschen am Weißenseer See um 1936 Weißenseer See Zu den tiefsten Gewässern Berlins zählt der Weiße See in Weißensee. Die Fläche bemisst sich mit 84.000 m², das Volumen liegt bei 360.000 m². Auf der Hochfläche des Barnims gelegen ist er ein Zeugnis aus der Weichseleiszeit, als ein liegen gebliebener Eisblock den heutigen Toteissee bildete. Zwischen dem ehemaligen Neu- und Alt Weißensee gelegen bietet der Weiße See an zentraler Stelle Erholungssuchenden einen Raum zum Verweilen, Flanieren, Kindern einen Platz zum Baden und Spielen sowie einen Platz zur Unterhaltung. Durch die ufernahe Bebauung seit Mitte des 19. Jahrhunderts und der Unterbrechung zu den benachbarten Pfuhlen (Goldfischteich, Kreuzpfuhl) ist der Wasserhaushalt im See gestört. Zu einem gravierend negativen Einfluss auf den Wasserhaushalt und die Qualität des Wassers führt, dass Niederschläge und Zuflüsse durch Versickerung bzw. Verdunstung nicht reguliert werden. Erst mit der Einbeziehung des Sees in der Entwässerung des Gebietes als Regenrückhaltebecken brachte eine kleine Stabilisierung. Eine nahe gelegene Quelle sorgt für den gleich bleibenden Wasserstand, welcher durch Zupumpen von Grundwasser unter der Aussichtsplattform erfolgt. Der ehemalige Gutsgarten des Landwirten Johann Heinrich Leberecht Pistorius bildet die heutige Grundlage des umgrenzenden Parks vom Weißenseer See. Geradezu nahtlos wechselte sich der Gutsgarten mit den Gehölzen um den Weißen See über. Mitte des 19. Jahrhunderts verwandelte sich der Gutsgarten in einen herrschaftlichen Landschaftsgarten, der wiederum Anfang des 20. Jahrhunderts in einen für Jedermann offen stehenden Stadtpark umgestaltet wurde.

Der Baumbestand des Parks setzt sich überwiegend aus Anpflanzungen um 1850 zusammen. Bemerkenswerte Bäume sind die Schwarznuss (über 125 Jahre alt) in dem Parkteil, nahe der Albertinenstraße, eine Rosskastanie (ca. 185 Jahre alt), die sich oberhalb der Seeterrassen befindet sowie eine Bitternuss (75 Jahre alt), ebenfalls im Parkteil der Albertinenstraße.

Aussichtsplattform am Weißenseer See Mit 21 h Fläche und einem 1,3 km langen Rundweg findet man zahlreiche Attraktionen am Rande des Weges. Von der Berliner Allee hinein kommend und links beschritten kommen wir als erstes zum Ruderkahnverleih, welcher von Verliebten gern genutzt wird. Auf dem Weiterweg befindet sich ebenfalls am Wasser gelegen das Milchhäuschen, ein guter Platz zum Verweilen und Kaffeetrinken. Von hieraus genießt man die Sicht über den See, sieht die Aussichtsbrücke, die gegenüberliegende Badeanstalt und den Ruderkahnverleih. Die mittige Fontaine und die Ruderer umrahmen das Ensemble für das sonntägliche Nachmittagsprogramm. Auf dem Weg weiter gelangt man zur Aussichtsterrasse, mit den Tritonen auf den Eckpfeilern, welche 1912 entstand. Etwas schräg gegenüber des Weges befindet sich die Kinderplansche für die Kleinen mit ihren Eltern. Gleich daneben befindet sich das Tiergehege mit dem Damwild. Bevor die Badeanstalt erreicht wird passiert man auf dem weiteren Weg die Freilichtbühne.

In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Angebot an Spielplatzflächen um den Weißenseer See auf 4500 m² erweitert. Am Eingang der Berliner Allee wurde in Anlehnung des ehemaligen Schlosses das "Weißenseer Schloss" errichtet. Schlosstürme, verbunden mit mit Auf- und Abstiege aus Netzen, Rutschen und Leitern bieten der spielerischen Eroberung einen großen Raum. Für Gleichgewichtsübungen können Doppelschaukel, Drehscheibe und Wackelbalken genutzt werden. Die Weißenseer Plansche wurde durch ein Kletterschiff in einer Sandspielfläche erweitert.

Fauler See Wie bei den andere Seen und Tümpeln in Weißensee hat der Faule See den gleichen zeitgeschichtlichen Ursprung. In den abflusslosen Hohlformen der Grundmoräne entstand der heute noch erhaltene Faule See in Weißensee. Bei dem Faulen See handelt es sich um einen so genannten Flachsee, der dazu neigt, die nicht vollständig abbaubare Biomasse des Jahresrythmus zu verlanden. Hier spielt auch die etwas weiter entlegene Panke eine Rolle. Der einst 6 ha große See schrumpfte bis 1989 auf 2 ha zusammen und weitere 3 ha verlandete Uferzone sind. Früher als Teufelssee bezeichnet konnte sich dieses Kleinod in Weißensee nur halten, weil es früher Jagd- und Angelrevier des Rittergutes Hohenschönhausen war. So wurde 1893 zum Schutz des Wildbestands der grüne Gürtel um den See erweitert. Nach dem ersten Weltkrieg (1920) erwarb die Gemeinde Hohenschönhausen das Areal und schloss es an das Gewässernetz der Panke an. Die Öffentlichkeit hatte nun auch Zutritt und machten bis heute regen Gebrauch davon. Mit dieser Maßnahme sank der Wasserpegel um über einen Meter. Wie schon bei dem Weißen See wurde der Faulen See als Regenwasserrückhaltebecken genutzt, das mit Pestiziden verunreinigte Wasser wirkt sich ungünstig auf den Sauerstoffgehalt des Sees aus und erhöht dessen Verlandung. Das mit einer Gesamtfläche von 24,3 ha große Gebiet wurde 16. November 1933 als Naturschutzgebiet gesichert. Bei der Betrachtung des Sees fallen uns urwaldähnliche Züge auf, denn der größte Teil des Naturschutzgebietes ist bewaldet. Alte umgestürzte Bäume heben diesen Charakter hervor. Die Artenvielfalt der Bäume um den Faulen See ist enorm, kanadische Pappeln, Kiefer, Ahorn, Linde, Bergulme, Traubenkirsche, Stieleiche, Rotbuche, Birke und Eberesche sind nur einige der dort vorzufindenden Baumarten. Zwischen Grauweidengebüschen und Schwarzerlenbusch findet man im Unterholz Kreuzdorn, Hartriegel, Schlehe, Hasel, Weißdorn, bittersüßer Nachtschatten und zahlreiche Wildrosenarten. Die Uferzonen werden bestimmt durch Schilf, Rohrkolben, Teichrosen, Uferwolfstrapp, Sumpfvergißmeinnicht, Sumpfblattererbse, Gilbweiderich und den im Frühsommer weithin sichtbaren gelb leuchtenden Wasserlilien. Zwischen dem braunen Moorwasser ließ sich ebenfalls ein artenreiches gefiedertes Volk nieder. Bei den Vogelarten konnten seit der Stellung als Naturschutzgebiet über 142 Vogelarten registriert werden. Dr. Schnurre stellte durch seine langjährigen Beobachtungen fest, dass sich im Naturreservat 40 ständige und 25 gelegentliche Vogelarten aufhalten. Unter anderem können am Faulen See Teichhuhn, Zwergrohrdommel, Schilfrohrsänger, Wasserralle, Teichrohrsänger, Schwanzmeise, Waldlaubsänger, Zwergtaucher, Rohrweihe und Waldohreule beobachtet werden. Quartier im Winter beziehen unter Anderem der Waldkauz, Sperber und verschiedene Finkenvögel. Damit dieses innerstädtische Kleinod der Natur nicht verloren geht, wurden durch den damaligen Rat des Stadtbezirks Weißensee Maßnahmen ergriffen, die der zukünftigen Erhaltung dienen sollen. Der Naturschutz sollte gegenüber der Naherholung Vorrang bekommen. Der See sollte vor dem Aussterben bewahrt werden, denn auf dem Grund des Sees liegt eine drei Meter dicke Schlammschicht, aus der Gase entweichen. Durch Zuführung von belasteten Material beschleunigt sich der Prozess, eutrophiert das Gewässer und stirbt. Seit 1994 gibt es ein Pflege- und Entwicklungsplan für die Erhaltung des Faulen Sees, das verdichtete Wegesystem wird so reduziert, dass die Uferzonen der Vogelwelt zur freien Entfaltung zur Verfügung steht. Fremde Arten, die die freie Entfaltung stören sollen nach und nach entfernt und auf die Entfernung von Alt- und Totholz verzichtet werden. Das Naturschutzgebiet "Fauler See" in Weißensee soll sich natürlich entfalten können.

Sage vom Wirtshaus Orankesee Orankesee Der zum ehemaligen Rittergut Hohenschönhausen gehörende Orankesee ist mit dem Obersee das Zentrum des Villenviertels. Bei der letzten Gebietsreform von 1986 wurde Hohenschönhausen eigenständig und nahm gleich seine beiden Seen aus Ritterzeiten wieder mit. Der Eingang des Orankesees wiederum liegt auf alten Weißenseer Grund und Boden. Wie schon bei den vorher beschriebenen Seen ist auch dieser das Ergebnis der eiszeitlichen Seenkette, die sich von der Hochebene des Barnims bis zum Berliner Urstromtal erstreckte. Mit 39.000 m² ist der Orankesee der drittgrößte See des ehemaligen Verwaltungsbezirk Weissensee, wo der Weiße See die Liste mit 107.000 m² anführt, gefolgt vom Obersee mit 44.000 m² und schließlich dem Orankesee mit 39.000 m². Mit der Erschließung des Gebiets um den Orankesee begann man erst um 1892, als die Parzellierung um Neu - Weißensee weites gehend abgeschlossen war. Der Unternehmer Gerhard Puchmüller und sein Nachfolger Henry Suermondt sind bezeichnend für die Besiedlung der Kolonie, wo erste Flurstücke am Südende des Orankesees bebaut wurden. An dem See entwickelte sich eine Villenkolonie und nannte sich in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts als "Wannsee des Nordens". Anfang des 20. Jahrhunderts folgte dann noch die Ansiedlung einer Eisfabrik, die auch den See kaufte und mit ihrer Fabrikation Lebensmittelbetriebe mit Eisblöcken versorgte. Dreizehn Jahre später wurde die Fabrikation samt See an die Stadt Berlin verkauft, diese hatte nun Hoheitsherrschaft über Weißensee, nach der Verwaltungsreform. Nun wurde der Weg um den See landschaftlich gestaltet. Wie am Weißenseer See wurde für die Eröffnung des Strandbades Orankesee eigens Ostseesand vom Strand in Ahlbeck herbeigeschafft. 1929 war es dann soweit, Strandbad und "Terrassen am Orankesee öffneten ihre Pforten. Bis zu 5.000 Besuchern boten die Terrassen für Konzerte, Tanzabende und vielerlei Veranstaltungen, Platz. In den 30er Jahren zog es immer mehr Wohlhabende, Industrielle und Künstler in das Villenviertel und mit der politischen Entwicklung bezog die NSDAP in der Wirtshaus Orankesee Orankestraße 86/87 ihre Parteizentrale für den Stadtbezirk, die dann nach Kriegs-ende von der polizeilichen Meldestelle abgelöst wurde. Sie überwachte den neuen abgeschirmten Bereich. Mit Ende des 2. Weltkrieges wurde das Strandbad gesperrt bzw. eingezäunt und der Seeumkreis diente den Offizieren der sowjetischen Besatzungszone als Wohnquartier. General Sidnew, Chef des sowjetischen Geheimdienstes war erster Bewohner der Siedlung. Später lösten dann Angehörige des MfS die Besatzer ab. Wiedereröffnet wurde das Freibad dann 1957, wo alle Sicherheitszäune entfernt wurden. Seit 1979 findet am ersten Sonntag im neuen Jahr das Eisbaden im Orankesee statt. Der Name des Sees wurde einmal vom Pastor Giertz erforscht und er fand seine Lösung in den "Historischen Beschreibungen der Chur und Mark Brandenburg". Slawisch Roderanke, im Ursprung vom lutitzischen Rodranka, gleichbedeutend ins deutsche übersetzt heißt es also Orankesee = Rotbrauner See.

Zum damaligen Wirtshaus Orankesee gab es auch eine Sage, mit der der Wirt seine Gäste umwarb...

Bei Mondschein heller Mitternacht, da höret man es sausen,
im Wirtshaus am Oranke See zu Hohenschönhausen.
Ritter und Zwerge umkreisen den See,
Eulen klagen ihr Leid und Weh.
Um Prinzessin "Oranka" zu ersehen.
Da entsteigt der Flut ein Engelsbild, dem geliebten Ritter entgegen;
Oranka, die sagenhafte Maid, ergreifet des Rosses Mähne
Denn wer sie errettet erhält sie zu eigen
und tanzt dann im Schlosse den Hochzeitsreigen.

Wasserturm am Obersee um die Jahrhundertwende Obersee Am ehemaligen Villenbezirk von Hohenschönhausen grenzt der nun zu Hohenschönhausen gehörende Obersee, den man quasi "über' n Damm vom Orankesee erreicht. Der Name des Sees geht auf die Höhe des Wasserspiegels zurück, der gegenüber dem Orankesee um eineinhalb Meter höher liegt. Als künstlicher See 1894 angelegt diente der Obersee als Wasserspeicher und Eislieferant für die ehemalige Löwenbrauerei AG. Das Areal des Obersee war eine natürliche Erdsenke, in der sich der Erftpfuhl und die Lindenwerderlake befand. Zu dem See entstand 1900 ein durch die Firma Merten & Knauff errichteter Wasserturm, der als Druckbehälter zur Hochhaltung des Brauchwasserreservoir diente. Nach Aufgabe der Brauerei versorgte der Wasserturm bis 1922 die umliegende Kolonie und 1933 wurde der Wasserbehälter aus dem Turm entfernt. Ein Jahr zuvor baute der berühmte Mies van der Rohe am Obersee ein Landhaus für den Unternehmer Karl Lemke und es entstand ein Kleinod der Moderne. 1930 erwarb das Ehepaar Martha und Karl Lemke, Geschäftsführer einer Druckerei und Besitzer einer Grafischen Kunstanstalt ein großes Doppelgrundstück am Obersee. Lemke war Sammler deutscher und niederländischer Malereien des 16. Jahrhunderts und lernte durch den Historiker und Kunstsammler Eduard Fuchs den in Künstlerkreisen verkehrenden Mies van der Rohe kennen. Dieser konzipierte dem kinderlosen Ehepaar ein eingeschossiges und L-förmiges Domizil, welches sich zur Straße hin verschlossen zeigt und um so großzügiger sich dem Garten öffnet. Fließend gestaltet sich der Übergang vom Haus in den Garten durch die wandbreiten und bis zum Boden reichenden Fenster. Hertha Hammerbacher gestaltete nach Entwürfen des Bornimer Pflanzenzüchter und Schriftsteller Karl Förster den Hof- und Gartenbereich. Nach dem zweiten Weltkrieg fand die neue sowjetische Besatzungsmacht Gefallen an das Villenviertel rund um den Oranke- und Obersee und mauerte sich dort ein. Die Nachfolge trat der ostdeutsche Geheimdienst (MfS) an und brachte dort ihre Geheimdienstler unter. In der Zeit der DDR fand man wieder Verwendung für den Wasserturm, die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) richtete im Turm eine Funkstation ein. Besonders markant am Obersee ist die Villa in der Oberseestraße 56, die auch "Kalte Pracht" (Plattenfassade/Grundstücksgröße) genannt wird. Sie beherbergte das Gästehaus der Stasi und wurde abgelöst durch das örtliche Standesamt. Bis 1989 war das Villenviertel am Obersee ausschließlich von MfS Leuten bewohnt, dessen Verhältnis untereinander misstrauisch war. Bei den Bewohnern handelte es sich unter Anderem um ranghohe Bedienstete aus Mielkes unmittelbarer Umgebung. Es gab keine Namensschilder oder Klingeln an den Türen, nur Gegensprechanlagen und die Bezeichnung Ober- und Untergeschoß waren zu lesen. Kaum einer traute sich in dieses Viertel, wer dort gesehen wurde musste mit unangenehmen Fragen rechnen. Große Namen der DDR Politgrößen waren unter den Bewohnern am Obersee zu finden; Werner Großmann (Nachfolger von Spionagechef Markus Wolf), Frank Mielke (Sohn von Erich Mielke), Günther Kratsch (Leiter der Spionageabwehr), Ernst Wollweber (Minister), Bruno Beater (Stellvertretender Minister), Rudi Mittig (Stellvertreter Mielke) und der bekannte Devisenhändler Alexander Schalck Golodkowski. Nach der politischen Wende 1989 kehrten die ehemaligen Alteigentümer oder dessen Familie in das Viertel zurück, nur weiß heute keiner, wer noch von der alten Riege am Obersee ist. Das Misstrauen bleibt.