Schering

Mit der Grünen Apotheke zum Weltkonzern

Grüne Apotheke in der ChausseestraßeWie bei Schwartzkopff begann auch die Erfolgsgeschichte des erst 27jährigen Ernst Christian Friedrich Schering im Jahr 1857 in der vorerst "Schmeißersche Apotheke" an der Chausseestr. 17. Dann umbenannt in "Grüne Apotheke" entwickelte sich die Apotheke im hinteren Bereich seines Ladengeschäfts. Es entstand dort ein kleines Laboratorium, welches sich zu einer erfolgreichen chemischen Produktionsstrecke entwickelte. Schering wollte nicht nur Medikamente herstellen, sondern auch andere chemische Produkte für verschiedene Industriezweige, wie Parfümerie-, Textil-, Leder-, Seifen-, Foto- und Feuerwerksindustrie auf den Markt bringen. Nach vier Jahren intensiver Arbeit erhielt Schering auf der Pariser Weltausstellung seine erste Ehrung für die Reinheit seiner Produkte. Dies ermutigte Schering sein Labor zu einer chemischen Fabrik auszubauen und gründete "Chemische Fabrik Ernst Schering". Mit ersten erfolgreichen Experimenten auf dem Gebiet chemisch pharmazeutischer Produkte bekam Schering 1864 die Konzession zum Bau einer chemischen Fabrik, die sich mit Bezug "Chemische Fabrik auf Actien" nannte und die Schering bis 1871 in die Müllerstraße 171 verlagerte. 1866 entstand am neuen Standort das erste Kesselhaus und Schering beteiligte sich an der Gründung der Deutschen Chemischen Gesellschaft und übte in den ersten Jahren die Funktion als Schatzmeister. Seine Produkte gibt es nun schon in vielen europäischen Städten als Schering im Deutsch - Französischen Krieg den Auftrag zur Medikamentenversorgung der Armee erhielt. Dies brachte Schering den Titel "Königlicher Kommerzienrat" verbunden mit dem "Roten Adlerorden" ein und erlaubte die schon erwähnte Umwandlung des Unternehmens in eine Fabrik auf Actien. Das Hauptlabor wurde erst 1872 auf dem neuen Gelände fertig gestellt. Die Apotheke von Schering führte indessen sein Sohn Richard weiter, der ebenfalls an der Entwicklung arbeitete und sein Unternehmen 1881 "R. Schering Fabrik chem.-pharmaz. Präparate" umwandelte. Mit der ersten Wirtschaftskrise 1873 kamen die ersten Hürden für das Unternehmen, die Schering zu meistern hatte. Dabei half ihn sein Apothekerfreund Julius F. Holtz, Besitzer der "Königlichen Hofapotheke" in Charlottenburg. Als Apotheker und Chemiker kümmerte sich Ernst Schering nur insofern um geschäftliche Dinge, als sie der Fristung einer Existenz dienten. Zu Investitionen und der Expandierung musste er stets von Freunden oder Geschäftspartner gedrängt werden. Als es dem Unternehmen nicht mehr so gut ging und unter dem starken Preisrückgang für seine Produkte litt, war Schering derart unsicher und wollte schon beim Amtsgericht seiner Zahlungsunfähigkeit erklären. Aufsichtsrats- und Gründungsmitglied Holtz war es, der zu dieser Zeit in den Vorstand wechselte und dort die kaufmännische Leitung übernahm. Unter seiner Leitung konnte das Unternehmen nicht nur die Krisenjahre überstehen, sondern expandierte nun auf ausländischen Märkten. Obwohl Schering keine Dividenden ausschüttete aber an seinem weiteren Erfolg glaubte kaufte er die Aktien seiner Geldgeber nicht auf sondern brachte 1875 das Unternehmen an seinen alten Erfolg zurück. In dessen Folge beteiligte sich das Unternehmen an der Gründung des Vereins "Zur Wahrung der chemischen Industrie". Ein Jahr später wurde die erste Vertretung für das Weddinger Unternehmen in Übersee geschaffen. Unter der Firmierung Schering & Glatz Inc. New York (USA) nahm die Vertretung ihre Arbeit auf. Für seine Arbeiter und Angestellten gründete Schering 1876 die "Freiwillige Hilfskasse" als Krankenkasse und eine Pensionskasse, die 1912 in eine Arbeiter- und Angestelltenpensionskasse umgewandelt wird. Das Unternehmen exportiert seine Produkte nun schon in zehn Länder und anlässlich der Gewerbeausstellung bekommt Schering die goldene Staatsmedaille des Königlichen Handelsministerium verliehen. 1880 wird das Unternehmen abermals erweitert und es entsteht in Charlottenburg ein Zweigwerk für die Produktion Schering um 1874 von Narkoseäther und Tannin errichtet, die Belegschaft setzte sich nunmehr aus zweihundert Mitarbeitern zusammen. Wegen zunehmender gesundheitlicher Probleme musste der Gründer Ernst Schering 1882 aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln. Kurz zuvor gründete er noch eine Jubiläumsstiftung für langjährige Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens. Mit dem unternehmenseigenen wissenschaftlichen Laboratorium unter Führung des Chemikers Albrecht Schmidt nimmt das Schering Werk 1888 seine Arbeit auf und so entsteht 1890 das erste Verjüngungsmittel "Piperazin", welches aber eher gegen die Gicht taugte. Ein analytisches Kontrolllabor wird unter der Leitung Eugen Schobig's errichtest dessen Leitung er auch übernahm. Nach Plänen von Otto March wird in den Jahren 1889/90 das neue Verwaltungsgebäude in der Müllerstraße gebaut. Mit einer reich gegliederten roten Klinkerfassade erhielt der Bau bald den Beinamen "Rotes Schloß". Am 27. Dezember 1889 stirbt Ernst Schering 65jährig und fand auf dem Friedhof vor dem Halleschen Tor seine letzte Ruhe. Die Witwen- und Waisenkasse wurde 1892 eingerichtet und das Unternehmen wird Mitglied des "Zentralvereins für das Wohl der arbeitenden Massen in Deutschland. Ein im gleichen Jahr aufkommende Cholera Epidemie wird bei Schering eine bakteriologische Abteilung eingerichtet und an der Gewinnung von Desinfektionsmittel gearbeitet.

VeramonMit Beginn des neuen Jahrhunderts expandierte Schering 1905 nach Russland und gründete in Moskau die russische "Schering AG". Zwei Jahre später entsteht eine weitere Niederlassung in Wydriza. Beide Unternehmen gingen durch den Kriegsausbruch im Jahr 1914 wieder verloren. Zwischen 1911 - 1913 entstehen drei fünfgeschossige Produktionsgebäude für den weiteren Ausbau des Unternehmens. Mit dem ersten Weltkrieg muss mehr als ein Drittel der Belegschaft Kriegsdienst leisten, im Werk wird eine Betriebskantine eröffnet um der Nahrungsmittelnot im Lande zu begegnen. Weitere Rückschläge musste das Unternehmen mit den in den USA verabschiedeten "Trading with the Enemy Act" in Kauf nehmen, er ermöglichte 1918 die Beschlagnahme deutschen Vermögens im Ausland. Schering verlor fast fünfzig Patente sowie zahlreiche Warenzeichen. Während der Weltwirtschaftskrise gewannen die Oberschlesischen Kokswerke & Chemische Fabrik die Aktienmehrheit über Schering, im Unternehmen selbst wird eine medizinisch - wissenschaftliche Abteilung gegründet. 1927 kam es dann zur Fusion mit der Berliner Chemischen Fabrik C.A.F. Kahlbaum GmbH, der neue Firmenname lautet Schering - Kahlbaum AG. Zwei Jahre später wird in New York die erste US - Tochtergesellschaft "Schering Corporation" gegründet. Die Fa. Voigtländer übernimmt 1932 die Fotosparte von Schering und in der Oberlausitz wird die Firma Schuster & Wilhelmi in Reichenbach übernommen. Das gesamte Vermögen der Schering - Kahlbaum AG fließt 1937 in die Kokswerke & Chemische Fabriken AG und firmiert unter den neuen Namen "Schering AG". Eine beschlossene Stimmrechtsechtsbeschränkung soll die Übernahme durch die I.G. Farben erschweren. Im Unternehmen selbst wird der Betriebssport gefördert, Lehrlinge werden zu wöchentlich mindestens einer Stunde Sport verpflichtet. Eine 1938 gegründete Schweizer Holdinggesellschaft soll Zoll- und Devisenprobleme mit ausländischen Verbrauchern mildern. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges brachte neue Hürden mit sich. Schering verlor im Ausland durch Beschlagnahme ihre Gesellschaften in Großbritannien, Südafrika, Neuseeland und Australien. Im Laufe des Krieges werden die Werke in den USA, Mexiko, Brasilien und Venezuela enteignet. Schering wird staatlich als "kriegswichtiges Unternehmen" eingestuft, ab 1940 arbeiten auf Anweisung der zuständigen Reichsstellen Zwangsarbeiter im Unternehmen. In einer Bombennacht durch Alliierte Luftangriffe vom 22. zum 23. November 1943 zerstörte neben anderen Gebäuden das Verwaltungsgebäude des Berliner Stammsitzes.

Mit Kriegsende kam fast das Aus für den Schering Konzern. Die Werke des Unternehmens wurden demontiert, enteignet oder beschlagnahmt, Patente und Warenzeichen gehen verloren, der Name Schering darf auf vielen großen Märkten keine Verwendung mehr finden. Um das Unternehmen zu retten wird eine Zweigniederlassung in Braunschweig gegründet. Nach zwei Jahren erlaubten die westlichen Siegermächte Schering erste Kontakte in das Ausland. Die sowjetische Besatzungsmacht wurde durch eine Kartoffelkäferplage gezwungen Schering Zugeständnisse zu machen. Neben dem Verwaltungsgebäude entstanden in Berlin neue Produktionsstätten und Schering vergrößerte sich über die Fenn- und Sellerstraße hinaus. Um an neues Kapital zu kommen trennt sich das Unternehmen von der Concordia Bergbau AG und steigert ihren Umsatz auf rund 25 Mio. DM. Fünf Jahre nach Kriegsende versucht Schering vergebens mit juristischen Schritten an seine Warenrechte zu gelangen und begann mit der Einführung neuer Warenzeichen um in verschlossene Märkte zu gelangen. 1957 ist der US Markt noch immer für Schering unerreichbar, die Länder Mexiko und Argentinien hingegen übertragen Schering ihre Tochterunternehmen gegen entsprechende Mittel zurück. Fast weitere zehn Jahre später erlaubt Großbritannien wieder die Benutzung des Firmennamens und in Italien werden die Vorkriegsgesellschaften zurück erworben. 1957 beginnt das Charlottenburger Werk mit dem Aufbau der Mikrobiologie und in der Berliner Zentrale entstehen die Zentrale Verpackung, danach das neue Forschungs- und Verwaltungszentrum, das Forschungszentrum der für Pharmakologie und Toxikologie und das Aus- und Weiterbildungszentrum. 1988 einigte sich Schering mit dem US - amerikanischen Schering - Plough über die weltweite Nutzung des Namens "Schering". Mit der zweiten Jahrhundertwende wird die Scheringaktie an der New Yorker Börse eingeführt. Drei Jahre später gründet Schering in Kobe, Japan ein neues Forschungszentrum (Nihon Schering Research Center) für regenerative Medizin. Mit fast 17 Milliarden Euro übernahm der Chemiekonzern Bayer den Weddinger Pharmakonzern und firmierte fortan unter dem neuen Namen "Bayer Schering Pharma AG".

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Entlang der Panke - Von der Quelle im Naturpark Barnim durch den Norden Berlin's

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