Das Dorf und seine Kolonien Wilhelmsruh und Nordend
Das Dorf Rosenthal war gegenüber seinen unmittelbaren Nachbarn Pankow und Niederschönhausen ein viel größeres und ausgedehntes Bauerndorf.
Anfang des 13. Jahrhunderts entstand die Nachbargemeinde Rosen-thal im Zuge der Besiedelung des Barnimer Landes. Erste Erwähnung fand das Dorf 1356
als namentlich Ro-sendalle genannt. Familie von Krummensee besaß zu dieser Zeit die wichtigsten Rechte wie z. B. der Pacht und der Gerichtsbarkeit.
Sie zählten zu den reichsten und angesehnsten Adligen des Barnimer Landes unter anderem besaßen sie die Stadt Altlandsberg. Die Kirche am Anger von
Rosenthal könnte auf Grund teilweiser Bauweisen schon über 100 Jahre früher entstanden sein. Auch Ausgrabungen im Jahre 1998 auf dem ehemali-gen
Schlossgelände ergaben, dass ein drentochronologisches Ergebnis der zu Tage geholten Balken um 1230 gefällt und verarbeitet worden sein musste.
1375 taucht Rosendalle wieder im Landbuch der Mark auf, in dem Karl IV. Ländereien dokumentieren ließ. Ab 1567 ging das Dorf in den Besitz von
Familie Happe, Bürger Brettschneider und Mittelstraß, die es zeit- und teilweise besaßen. 1574 wurde das inzwischen entstandene Rittergut
"Rosendalle" an den Kurfürsten Joachim II. verkauft, der dieses seiner Geliebten Anna von Sydow und dessen Sohn das Gut als Leibgedinge
überlies. Kurfürst Johann Georg annullierte 1574 die Verträge und übereignete das Gut seiner Schwester, der Familie von Goetze. Zu dieser Zeit
umringten riesige Hochwälder das Dorf Rosenthal und die Jagd spielte neben der Landwirtschaft in Rosenthal eine wichtige Rolle.
Um 1624 bewirtschafteten 17 Hüfner und 13 Kossäten das mit 72 Hufen große Dorf. Auch in Rosenthal hatte der Dreißigjährige Krieg seine Spuren
hinterlassen. Nach Kriegsende waren lediglich noch 12 Bauernhöfe übrig. Rosenthal traf es von den ehemals Pankower Dorfgemeinden am Härtesten.
Nach Übernahme durch die Hohenzollern ließ Friedrich der III. 1694 das Dorf dem Amt Niederschönhausen un-terstellen, auf dem Gutsgelände ein
Lustschloss errichten und einen Park anlegen. Das Schloss wurde mehr-mals von der königlichen Familie genutzt und nach Übernahme durch den
Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. verpachtet. Dieser Monarch hatte keinerlei Interesse an kostspielige Bauten außerhalb der Residenz. Zum Schloss
gab es auch eine Fasanerie dessen Fasanenmeister auch um 1745 das Schloss bewohnte. Letzte Erwähnung fand das Schloss 1754, wo es aber schon als
sehr verfallen genannt ist, und schließlich ist es auf den Karten um 1780 schon völlig verschwunden. Seit dieser Zeit wurde das Gelände als Gutshof
genutzt und schließlich 1990 bis auf drei denkmalgeschützte Gebäude abgerissen.
Anfang des 18. Jahrhunderts begann man neben der Landwirtschaft mit der Jagd. Um Rosenthal und Blanken-felde entstanden zahlreiche Jagdhäuser.
1728 wird berichtet, dass 400 Damhirsche und 30 Wildschweine er-legt worden seien.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde Rosenthal dem Amt Mühlenbeck zugeordnet und das ritterliche Vorwerk, welches schon 16
Ritterhufen umfasst, 1817 verkauft. Die Familien Neumann und Gumtau waren nachfolgende Besitzer. Kaufmann Johann Heinrich Neumann war 1804
Begründer der Tabakmanufaktur in der Breiten Straße von Pankow und vererbte das Gut 1849 an seine Tochter. Die wiederum war mit dem Oberst-leutnant
von Grumtau verheiratet. 1882 wurde das Gut schließlich durch die Stadt Berlin erworben, um die geplanten Rieselfelder für Berliner Abwässer
zu realisieren.
Die Einwohnerzahlen waren sehr gering. Lediglich hinzukommende Büttner und Einlieger sorgten für einen leichten Anstieg der Einwohnerzahlen. So
verzeichnetet das Dorf um 1840 um die 290 Einwohner und dreißig Jahre spätrer waren es schon über 500 Einwohner. Auch die Nutzung der Ländereien
als Rieselfelder verhin-derte den Zuzug weiterer Bewohner. Mit der Anlage von Landhauskolonien 1893 stieg die Einwohnerzahl er-heblich an und es
entstanden die Ortschaften Wilhelmsruh und Nordend. Im Gegensatz zu Nordend wuchs die Einwohnerzahl in Wilhelmsruh rasant, obwohl das Dorf selbst
nur eine geringe Einwohnerzahl aufwies. In Nordend nutzten verschiedene Berliner kirchliche Gemeinden die Flächen für Friedhöfe und in dessen
Ein-zugsbereich sich auch die Bewohnerzahl entwickelte.
Wirtschaftlich wurde Rosenthal zur Landwirtschaft genutzt und das Dorf wesentlich durch das Gut geprägt. Neben der schon erwähnten Fasanerie gab
es eine Krug und eine Windmühle. Die Kolonie Nordend entwickel-te sich mit gärtnerischen Betrieben an den Friedhöfen Berliner Gemeinden und
Wilhelmsruh zog die Schwerin-dustrie an, die aus Kapazitätsgründen neue Standorte für ihr Weddinger Stammwerk suchte.
Wilhelmsruh wurde zeitweise (1893) von Rosenthal getrennt und der Gemeindung Reinickendorf zugeordnet. 1920 ging Rosenthal in den 19.
Verwaltungsbezirk Berlins als Bezirk Pankow ein. 18 Jahre später kam auch Wilhelmsruh wieder in diesen Verwaltungsbezirk zurück.
Das einstige Wahrzeichen von Rosenthal, der Wasserturm, wurde aus baupolizeilichen Gründen 1958 abgerissen. Einzigstes Zeug-nis aus alten Zeiten
ist die heute als Wahrzeichen von Rosenthal erhaltene Dorfkirche, die sich auf dem Anger befindet. Die Entstehungszeit der Kirche liegt in der
ersten Hälfte des 13. Jahr-hunderts. Im Kern, ein aus Feldsteinquadern mittelalterlicher Bau, welcher zugesetzt ein spätromainisches
Rundbogenportal erhielt. Der vorherige Chor wurde 1705 durch den ersten Preußenkönig in Auftrag gegeben, welcher 1880 durch ein Querschiff aus
gelben Ziegeln ersetzt wurde. In den Jahren 1902/03 wurde der Turm nachträglich angebaut. Zu dieser Zeit befanden sich mehr als eine Million
Goldmark in der Kirchenkasse. Im zweiten Weltkrieg wur-de der Turm durch ein Artilleriegeschoß getroffen, wobei der obere Abschluss zerstört wurde.
Dieser wurde dann in vereinfachter Form aufgebaut. Sehenswert ist das Reliefmedaillon mit dem Wappen der Familie von Gumtau, einer der früheren
Besitzer des Gutes Rosenthal.