Rathaus Pankow

"Mög` in diesem Baue Weisheit wohnen,
die Gerechtigkeit hier heimisch sein,
dann wird Pankow ferner wohl gedeihn."

Mit diesen Worten toastete der stellvertretende Amtsvorsteher Schmidt der Grundsteinlegung des Pankower Rathauses am 12. Juli 1901. Das hier so prachtvolle Rathaus fand seinen Ursprung Anfang des 20. Jahrhunderts, als Pankow beliebtes Ausflugsziel der Berliner war. Sie kamen in Strömen an den Wochenenden nach Pankow und seinen Nachbardörfern, besuchten die idyllischen Gartenlokale oder frönten ihr Wochenende in den zahlreich entstandenen Strebergärten. Etwas betuchteren Berlinern war es auch wert eine kleine Residenz in Pankow und Umgebung zu bauen. Das Dorf wuchs und wurde immer attraktiver, denn durch hohe Steuereinnahmen konnten Investitionen, wie die Wasserversorgung und Gaslaternen, ausgeführt werden und so hatte der hiesige Gemeinde- und Amtsvorsteher Gottschalk keine Probleme die Vertreter der Gemeinde vom Bau des Rathauses zu überzeugen.

"Ein geschichtliches Ereignis ersten Ranges", so bezeichnete das Niederbarnimer Kreisblatt die Grundsteinlegung des neuen Rathauses. Die komplette Gemeindevertretung und geladene Gäste marschierten den bunt geschmückten Bauplatz ab, wo sie sodann vor einer erhaben stehenden Bühne, die Worte des Bürgermeisters mit Beifall verfolgten.

Wilhelm Johow, seinerseits Architekt gewann den Wettbewerb um den Bau des Pankower Rathauses. Sein Büro befand sich in der Breiten Straße 34. Aus seiner Arbeit stammt auch das Krankenhaus Pankow, die Klinik- und Anstaltsbauten in Buch sowie zahlreiche Schulbauten. Das Hauptgebäude - ein dreigeschossiger Verblendbau aus roten Sand- und Klinkersteinen, einem Sockel aus schlesischem Granit und einem mit Kupfer gedecktem Dach. Das Dach fiel dem ersten Weltkrieg zum Opfer und wurde ausgetauscht. Risalitartig vorgezogener Mittelteil, durch einen dreibogigen Eingang mit Säulen und Freitreppe besonders betont, schmücken die Bürgertugenden die turmartigen Vorsprünge. Die Tugenden werden als Gerechtigkeit, Bürgerfleiß, Bürgerehre und Mildtätigkeit interpretiert. Den Haupteingang zieren zwei weitere Türmchen. Über dem Eingang breitet der preußische Aar seine Schwingen aus. Die Spitze des Hauptgebäudes trägt auf dem Turm eine vergoldete Reichskrone. Nach dem Eintritt in das Gebäude betritt man ein vornehm gehaltenes Vestibül, dessen Nachfolge die Eingangshalle mit der aufwendig gestalteten Stuckornamentik und den Jugendstillampen übernimmt. Eine doppelläufige Treppe führt hinauf zu dem großen Ratssaal mit repräsentativen Türgriffen an den Eingangstüren, der Holztäfelung im Saal und dem Hauptfenster mit der Glasmalerei aus der Kunstanstalt Schererschen in Berlin, die die umsichtige Gemeindeverwaltung im Mittelteil und die blühende Gartenbaukunst sowie den stets aufopfernden Mut der freiwilligen Feuerwehr, darstellt. Dem 50 Meter hohen Eckturm zieren zwei Balkonerker, die zur Wohnung des hier regierenden Bürgermeister gehören, eine in allen Richtungen sichtbare Turmuhr und eine darüber befindliche umlaufende Ballustrade mit vier Ecktürmchen, dessen  Abschluss ein zylindrischer Turm mit Helm und Laterne bildet.

Der Architekt Ludwig Hoffmann, Stadtbaurat für Hochbau in Berlin entwarf zur damaligen Zeit Teile des heutigen Trauzimmers, die bis 1979 in der "Alten Feuerwache" (Fischerkietz Berlin - Mitte) eingebaut und im Märkischen Museum nach dessen Abriss eingelagert waren. Ludwig Hoffmann war auch federführend für das Hufeland Krankenhaus, Lungenheilstätte Waldhaus, Ludwig Hoffmann Krankenhaus uvm.. Der Bildhauer Joseph Breitkopf - Cosel zeichnete sich durch die Wandtäfelungen mit den Schnitzarbeiten aus.

Relief im Rathaus PankowRelief im Rathaus Pankow

Vor der offiziellen Einweihung am 18. April 1903 zog der Bau zahlreiche Neugierige an, die am 9. Oktober 1902 den bereits fertig gestellten Ratskeller, mit seinen großstädtischen Räumen und der elektrischen Beleuchtung, im Lichterglanz erleben konnten. Eine weitere Sensation war die zwei Tage später folgende erste Eheschließung in einem stilvoll gestalteten Standesamtzimmer. Am 23. und 24. Oktober bezogen die ersten Mitglieder der Gemeinde ihre Büros im neuen Rathaus und feierten diesen Einzug einen Tag später im eigenen Ratskeller. An diesem Tage bezog nun auch der Bürgermeister Richard Gottschalk seine Dienstwohnung in der ersten Etage des Gebäudes beziehen. Von seinem Balkon aus bot sich ihm der Blick auf das Tor zum Eingang des heutigen Bürgerparks und auf die Pfarrkirche bzw. dem Anger.

Schließlich wurde das Rathaus am 22. April 1903 offiziell im mit frühlingsfarbenen Ambiente gestalteten Großen Ratssaal vom Gemeindevorsteher eröffnet. Etwa 100 geladene Gäste verfolgten dem Gesang des Kirchenchores und sangen gemeinsam die deutsche Hymne bevor sie seine Majestät den Kaiser hochjubelten. Zahlreiche Namen, wie der Polizeipräsident von Berlin von Borries, Regierungspräsident von Moltke, Landrat des Kreises Niederbarnim von Treskow, Berliner Oberbürgermeister Kirschner und viele Amtsvorsteher der Nachbargemeinden, wohnten der Eröffnungsfeier bei.

Pankower Ratskeller 1918 Zum Festmahl ließ der Ratskellerwirt Fischer den Gästen:

- Schwedisches Vorgericht - klare Schildkrötensuppe - alten Sherry - Kalbsrücken mit Tomatensoße - Schlei blau mit frischer Butter - 1895 Rüdesheimer Hinterhausauslese - römischer Punsch - junge Hamburger Gans - Früchte - Salat - Chàteau de Sales Pomerol Original - Braunschweiger Stangenspargel - Käseschüssel - Mocca

...zum Preis von 18,50 Mark servieren. Die Frauen durften an diesem Mahl nicht teilnehmen und mussten vom Empore aus zusehen.  Eine Karikatur von Heinrich Werrmann zeigt das Festessen der Gäste ohne den Frauen.

Der Ratskeller entwickelte sich zu einer gefragten Adresse und wurde schließlich, wegen der so begehrten Plätze,  zum Geheimtipp in nah und fern. In das "Goldene Buch" des  Lokals trug sich der damalige Bürgermeister als Erster mit den Worten: "Nach des Tages Last und Müh`, Ich in "Fischers Hütte zieh, Trinke meinen Schoppen froh, Bürger, macht es ebenso!" Ein Geheimgang soll innerhalb des Hauses direkt in den Ratskeller geführt haben, wo sich Gemeindevertreter heimlich und ungesehen in den Ratskeller begeben konnten und die vorerst strittigen Punkte aus dem Ratssaal bei Essen und Getränk zur Einigkeit brachten. Darüber findet man im Gästebuch auch einen Eintrag, der wie folgt lautet:

Wenn die Redeschlachten toben in dem Sitzungssaale oben, die Parteien wutentbrannt, aufeinander losgerannt. Wenn die Wasserflasche kracht, die Tribüne pfeift und lacht, der Vorsteher im Getümmel, ordnungsrufend schwingt die Bimmel. Sitzt beim Ratswirt Hilgner hier, der Spießbürger bei dem Bier, isst der Wirtin gute Speisen, zu stets angenehmen Preisen. Trinkt beim Kreise froher Zecher, seinem gefüllten Becher...

Das erste große geschichtliche Ereignis in der Geschichte des Rathauses ist der Tod des Geheimen Medizinalrates Professor Dr. Mendel am 23. Juni 1907. Die Gemeinde Pankow verlor mit ihm einen ihrer ältesten, edelsten und Opferbereittesten Bürger. Sein Wirken beschränkte sich nicht nur auf die Friedrich - Wilhelm Universität, sondern setzte sich engagiert in die Entwicklung seines Wohnortes Pankow ein. Ihm zu Ehren wurde zur Aufbahrung seines Leichnams und der Trauerfeier der Sitzungssaal geöffnet. Viele Pankower, Vertreter der aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft erwiesen ihm hier seine letzte Ehre und die bunt gekleideten Chargierten der studentischen Vereinigungen hielten am Sarg Ehrenwache mit ihren bestickten Bannern und blanken Schlägern. Der zu dieser Zeit amtierende Bürgermeister Wilhelm Kuhr würdigte in seiner Trauerrede die Arbeit und das Wirken des Verstorbenen. Beigesetzt wurde Professor Dr. Mendel auf dem Weddinger Urnenfriedhof in der Gerichtstrasse.

Während des ersten Weltkrieges musste die Verwaltung öfters umorganisiert werden, da viele der Beamten mit in den Krieg ziehen mussten. Für die so genannte "Kriegswirtschaft" mussten weibliche Hilfskräfte die Arbeit der Beamten ersetzen. Vieles war kaum zu bewältigen. Hunderte von Kriegerfrauen standen schon morgens um 5:00 Uhr vor dem Rathaus an um unter den Ersten zu sein, die ihre Unterstützung in Empfang zu nehmen. Die unterschiedlichen Lebensmittelkarten taten ihr Übriges dazu.

Die erste Vergrößerung des Rathauses wurde im Jahre 1918 mit dem Anbau des Ostflügel vollzogen. So konnte die expandierende Arbeit des Bezirkes merklich verbessert werden. Ernst Böhm übernahm mit der Gründung der Großgemeinde Berlin die Amtsgeschäfte im Rathaus als 19. Verwaltungsbezirk mit den Gemeinden Rosenthal, Schönholz, Niederschönhausen, Buchholz, Heinersdorf, Karow, Buch und Blankenburg. Cirka Zehn Jahre nach dem Anbau des Ostflügels wird nunmehr auch der Westflügel zur Neuen Schönholzer Straße angebaut. Dieser Anbau verschlang immerhin 648.000 Mark und der Baumeister Carl Schmidt, genannt Schinderschmidt, setzte die Pläne der Architekten Alexander Poeschke und Rudolf Klante um. Schinderschmidt leitete auch die Bauarbeiten der Krankenkasse in der Floraprommenade und das Gesundheitshaus in der Grunowstrasse.

In den 30er Jahren war der Rathaussaal Zeuge vieler unschöner Auseinandersetzungen zwischen den Bezirksverordneten, die sich in ihren Rededuellen nicht nur auf den Saal beschränkten, sondern lauthals ihre Wortgefechte auch aus dem Fenster austrugen. Selbst Tribünenbesucher begleiteten durch Zwischenrufe die Sitzungen, so dass es von Nöten war die örtliche Polizei im Nebenraum des Rathaussaales zu positionieren. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler änderte sich auch die Arbeit im Rathaus. Demokratische Parteien wurden verboten, Antifaschisten und Juden wurden aus den Ämtern vertrieben.

Erste Änderungen erfuhr der Verwaltungsbezirk im Jahre 1938 mit der Gebietsreform. Teile Pankows westlich der Nordbahn gingen an den Bezirk Wedding und erhielt im Gegenzug von Reinickendorf den Stadtteil Wilhelmsruh. Auch zum Prenzlauer Berg wurde die Gebietsgrenze geändert.

Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges flüchteten viele Pankower, insbesondere ab 1943, vor den Bombenangriffen in ländliche Gebiete und die Einwohnerzahl verringerte sich, trotz tausender Fremdarbeiter, beträchtlich. Trotzdem erhöhte sich die Wohnungsnot, da zahlreiche Berliner aus den Innenbezirken in die Randgebiete strömten, die auch stark zerbombt waren. Völlig hilflos musste die Pankower Verwaltung im Rathaus mit ansehen, wie die Not und das Elend im zerstörten Pankow das tägliche Bild prägten. In den letzten zwei Kriegsjahren wurde das Rathaus zur "Zentralen Verteidigung". Beamte und Polizisten der aufgelösten Reviere wurden kaserniert und die besonders Zuverlässigen erhielten auch Gewehre. Alle nicht ortsgebundenen Dienststellen wurden evakuiert. in den Straßen wurden Panzersperren gebaut und in Parkanlagen sowie Kleingärten hob man Schützengräben aus. Vor der Pfarrkirche wurde ein Panzer wegen Spritmangels auf Befehl von "Durchhaltefanatikern" von den Verteidigern vergraben. Dieser sollte die Breite Straße, Schlossstrasse und Berliner Straße sichern und den Vorstoß feindlicher Truppen Richtung Rathaus verhindern. Im Rathaus befahl derweil der letzte Bürgermeister die Vernichtung von Akten auf dem Rathaushof. Vermutlich gingen dabei auch wichtige Nachweise zur Geschichte von Pankow und seinem Rathaus für immer verloren. Alle Zivilisten verließen nun das Rathaus und die kasernierten Beamten erhielten den Marschbefehl Richtung Schöneberg. In der Nacht zum 23. April fiel der vergrabene Panzer den sowjetischen Truppen kampflos in die Hände, da er aus technischen Gründen auch keinen Schuss mehr abgeben konnte. Somit war der Weg in Richtung Rathaus frei, das große Mengen an Lebensmittel, Wein, Textilien und den mit erheblichen Summen gefüllten Tresor, verbarg. War es im Ersten Weltkrieg das Kupferdach, so kamen im Zweiten Weltkrieg die Sandsteinfiguren der vier Bürgertugenden zu Schaden. Drei dieser Tugenden wurden beschädigt und die Vierte verschwand ganz und gar. Keiner weiß, welche Tugend die vierte Sandsteinfigur darstellte. Die vier Tugenden sollten jedenfalls Arbeit, Treue, Gerechtigkeit und Mildtätigkeit verkörpern.

Mit dem ersten Anschlag, der im Rathaus eingezogenen Kommandantur der sowjetischen Militäradministration, am Ratsgebäude wurde die Bevölkerung aufgefordert, alle Waffen, Radios und Fotoapparate abzugeben. Schreibmaschinen waren von nun an meldepflichtig. Auf den Treppen des Rathauses türmten sich nun die abgegebenen Geräte. Noch während der letzten Kriegstage bildete sich Schulze/Ecke Wollankstrasse ein Volkskomitee, welches nach dem Ende des Krieges Verbindung mit der sowjetischen Kommandantur aufnahmen. Auf Geheiß des ersten Bezirkskommandanten, Oberstleutnant Petkun, wurde aus dem zusammengebrochenen Verwaltungsgebäude eine Körperschaft gebildet, die nun die Versorgung der Bevölkerung zu sichern hatte. Der Sitz wurde in der Schönholzer Straße eingerichtet und begann mit ihrer Arbeit. In den Gemeinden des Bezirkes wurden provisorische Gemeindeverwaltungen eingerichtet und das von den Ausschüssen vorgeschlagene Bezirksamtkollegium wurde von der Bezirkskommandantur genehmigt. Diese nahmen ihre Arbeit in einer ehemaligen Erziehungsanstalt für Waisen in der Berliner/Ecke Hadlichstrasse auf.

Überschattet wird die Geschichte des Ratshauses als in dessen Keller das Gefängnis für den sowjetischen Geheimdienst NKWD. Der Eingang befand sich in der neuen Schönholzer Straße 36. Meist junge Menschen wurden in dem Keller eingesperrt und der Zugehörigkeit zu den Wehrwölfen bezichtigt. Brutalen Folterungen waren sie ausgesetzt, geschlagen bis sie besinnungslos waren und wenn sie flüchten wollten wurden sie erschossen. Das Gefängnis bestand von Mitte 1945 bis zum Ende des Folgejahres.

Die erste Straßenbahn von Nordend wurde am 9. Juni 45, vor dem Rathaus, von der Bevölkerung begrüßt. Und wenige Tage später kamen die Bahnen auch aus Richtung Rosenthal wieder zum Rathaus in den Einsatz. Die Linie aus Buchholz kam erst im August Richtung Pankow zum Einsatz.

Gedenktafel im Foyer des Rathauses Pankow Das 1945 von der sowjetischen Kommandantur bestätigte Bezirks-amtkollegium beendeten im Oktober 46 ihre Arbeit aufgrund der ersten freien demokratischen Wah-len, die im gesamten Nachkriegs-berlin abgehalten wurden.

Im Rathaus fanden 1947 ein Kriegsverbrecherprozess statt, in dem sich, vor dem sowjetischen Militärgericht, der Lagerkomman-dant des Konzentrationslager Sachsenhausen und Angehörige des Wachpersonals sich verant-worten mussten. Eine Gedenktafel erinnert an diesen Prozess in der Eingangshalle des Rathauses.

Mit Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 wurde Ostberlin Hauptstadt eines zentralistisch ausgerichteten Staates und das Bezirksamt zog nun wieder zurück in das Rathaus von Pankow. Im Januar 1950 wurde die feierliche Schlüsselübergabe durch die sowjetischen Kommandantur vollzogen und das Rathaus wieder seiner eigentlichen Verwendung zugeführt. Im Rahmen einer Änderung der Verwaltungsstruktur wurde schließlich die endgültige Form des "Rat des Stadtbezirks" geändert und von nun an gingen die Bürger zum "Rat".

Am 13. August 1961 wurde der Zugang zu  den Nachbarbezirken Wedding und Reinickendorf für alle Ostberliner Bürger auf Jahre versperrt. Die Brehme- und Schulzestraße war zur Hälfte geteilt. Der Bürgersteig auf der zu Westberlin gewandten Seite durfte nur von Bewohner dieser Seite beschritten werden. Besucher benötigten einen Passierschein, um Familien, die dort wohnten, besuchen zu können. Alle, die dort Wohnungen bezogen wurden auf so genannte Staatstreue überprüft, bevor sie ihre Wohnungszuweisung. Dies galt auch für die andere Straßenseite, die als erweitertes Grenzgebiet galt, aber ohne Passierschein betreten werden konnte. Zwischen den Häusern und der S - Bahnstrecke verlief die Mauer mit den Wachtürmen. Diese standen so nah, dass die Bewohner mit den Wachhabenden Gespräche führen konnten.

Mit dem Bau der Satellitenstädte Hohenschönhausen, Marzahn und Hellersdorf wurde auch die Verwaltungsstruktur geändert und die Ortsteile Blankenburg, Heinersdorf und Karow fielen dem Rat der Stadt Weißensee zu.

In den Jahren 1983 - 87 fanden groß angelegte Restaurierungsarbeiten am und im Rathaus statt. Die Fassade wurde gereinigt, zugemauerte Fenster wurden wieder geöffnet und der Turm erhielt ein neues Kupferdach. Innen erhielt das Haus einen neuen Anstrich und die Eingangshalle erstrahlt wieder im altem Glanz, durch die auf dem Dachboden wieder gefundene Jugendstildeckenleuchte. Auch der Schriftzug über dem Eingang "Gott mit uns" wurde wieder frei gelegt und anlässlich der 750 Jahr Feier Berlins konnte auch die während des Krieges zerstörte Plastik "Bürgerehre" ihren Angestammten Platz einnehmen.

Mit der politischen Wende im Jahre 1989 wurde im Rathaus von Pankow auch ein neues Zeitalter eingeläutet. Die letzte Sitzung des Rates des Stadtbezirkes ging mit einer Normalität von Statten, die es in der Wirklichkeit nicht mehr gab. In der Nacht zerfiel die Allmacht der SED ins Bodenlose und wurde durch die Besonnenheit der Pankower Bürger nicht zu einem Chaos durch das entstandene Machtvakuum im Verwaltungsbezirk von Pankow.

Ein "Runder Tisch", für die Ebene des gesamten Landes fand sich nun im Schloss Niederschönhausen zusammen um die politischen Geschicke des Landes nicht aus den Fugen gleiten zu lassen. Das Schloss Niederschönhausen war nun Mittelpunkt von Weltinteresse.

Alte Parteikader wurden zu Wendehälsen und versuchten nun in der neuen politischen Kraft mitzumischen. Die Partei versuchte weiterhin unbequeme Mitarbeiter von Initiativen zu behindern. Der Bürgermeister verschwand plötzlich und die Belange des Stadtbezirkes mussten vom Stellvertreter geleitet werden.

Am 9. November war es dann soweit, die Grenzen zu den anderen Sektoren Deutschland wurden geöffnet und auch für die Pankower Bürger war der Weg in die Nachbarbezirke Wedding und Reinickendorf wieder frei. In der Wollankstrasse wurde erste Pankower Grenzübergangstelle eingerichtet und viele Pankower strömten täglich nach Westberlin um das Neuland vor der Haustür zu erobern. Der 127er Bus waren dann auch die erste Verbindung der Pankower im grenzüberschreitenden Verkehr. Dieser kam über die Wollankstrasse, fuhr wie früher die Straßenbahn von Wedding, am Rathaus vorbei, bog in die Berliner Straße ein und endete in der Hadlichstrasse.

Der erste "Runde Tisch" im Rathaus fand am 9. Dezember 89 statt, an dem Vertreter der ehemaligen und der neu gegründeten gesellschaftlichen Organisationen teilnahmen. Im Mai des folgenden Jahres eröffnete der Alterspräsident Deutschmann die erste konsultierende Tagung der Bezirksverordnetenversammlung von Pankow. Die beschlussfähige Versammlung wählte auf Grundlage der ersten demokratischen Wahl nach der politischen Wende, den neuen Bürgermeister Harald Lüderitz und weitere Mitglieder des neuen Bezirksamtes. Mit der Einrichtung der BVV und der Angleichung an Westberliner Bezirke ging Pankow 1992 erneut, mit einigen Erfahrungen mehr, in die Wahlen. Unser Nachbarbezirk Reinickendorf stand dem Pankower Rathaus in dem Aufbau der Verwaltung partnerschaftlich zur Seite und somit gründete sich unwillkürlich auch eine Partnerschaft mit allen anderen Nachbarbezirken, die sich von nun an eine enge Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Region versprachen.

Zum Tag der Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde fand ein Bezirksübergreifender Festakt der Bezirksverordnetenversammlungen Pankow und Reinickendorf statt, zu der Pfarrer Konrad Hüttel von Heidenfeld die Festrede hielt.

Eine erneute Verwaltungsreform schmälzte die Bezirke Pankow, Weißensee und Prenzlauer Berg zum Großbezirk Pankow zusammen. Zum Rathaus gesellt sich ein Einkaufszentrum, welches sich "Rathauspassage" nennt und somit neben dem wöchentlichen Markt zum Magnet im ehemaligen alten Dorfanger wird.

Der 1907 eröffnete Ratskeller erlebte leiden nicht seinen 100. Geburtstag. Mit der Jahrhundertwende in das 21. Jahrhundert kam das Aus. Kurz davor wurde der Ratskeller geschlossen und fand keinen neuen Pächter, der Amtsherren, Hochzeitsgesellschaften und anderen Gästen kulinarischen Genüsse servierte. Es blieben die Erinnerungen an einst schöne Zeiten, als im Ratskeller anspruchsvoll aber auch deftig gespeist werden konnte. So manche Familien sahen in dem Ratskeller ihren Stammplatz für ihre Familienfeiern. 1994 schloss der Ratskeller wegen einer Rattenplage. Bei dieser Gelegenheit wurden die Lüftungsanlage und Kochstrecke erneuert. Drei Jahre nach der Wiedereröffnung (Silvester 1997) wurde der Ratskeller erneut durch den damaligen Hauptpächter, der Berliner Brauerei "Bürgerbräu" geschlossen, weil der Betreiber rund einhundert Tausend Mietschulden hatte. Anfang 2005 wollte schließlich ein Dresdner Gastwirt im Ratskeller eine Böhmische Küche eröffnen, scheiterte aber an den Umbaukosten.

Im Jahr 2005 dachte man nach längeren Versuchen einer gastronomischen Nutzung den Ratskeller als Museumsdepot bzw. Ausstellungsort zu nutzen. Die Sammlung des Museumsverbandes Pankow umfasst mehr als 10.000 Exponate aus dem Pankower Alltag und Erinnerungsstücke der Pankower Bevölkerung. Viele Dinge kamen auch aus der Industrialisierung von Pankow und dessen vorheriger Daseinsform als Landgemeinde. Der Verein für Pankow e. V. wollte den Ratskeller für eine Ausstellung zur Geschichte des Bürgerparks nutzen, bekam aber eine Absage, da der Ratskeller nicht den Sicherheitsstandard der Zeit entsprach.