Ursprünge des heutigen Oranienburg wurden durch den Kaiser Heinrich II schon im 11. Jahrhundert gelegt. Mit der deutschen Ansiedlung um 1170 -
1200 entstand zum Schutz der Gegend und des angrenzenden Flussübergangs auf dem Grund des heutigen Schlosses eine askanische Wasserburg. Die Siedlung
gehörte damals zur Grenzdiözese Brandenburgs. Albrecht der Bär, Markgraf von Salzwedel betrieb seiner Zeit die Christianisierung der heidnisch -
slawischen Gebiete und baute auch in der Havelniederungung seine strategische Machtstellung aus. Als "Bothzowe" erhielt die Ansiedlung 1232
das Spandauer Stadtrecht, blickt aber auf eine frühere Erwähnung von 1216 zurück. Waren es in den Anfängen Bauern und Fischer, die ihren
Lebensunterhalt in Bothzowe bestritten, kamen mit der Stadtgründung Handwerker und Kaufleute dazu und es entwickelte sich eine durch Zunft und Gilde
geprägte mittelalterliche Stadt.
Anfang des 15. Jahrhundert bemächtigte sich Dietrich von Quitzow der Burg und nutzte sie zu seinen Raubzügen in der Mark Brandenburg. Wie in
Bernau setzte die Machtübernahme der Hohenzollern 1417 dem Raubrittertum ein Ende. 1483 wurde Bothzowe offiziell Amtssitz und aus dem alten Namen
wurde Bötzow. Die erste größere Veränderung kam 1550 durch den Kurfürsten Joachim II (Hektor). Mit Eroberung weiterer östlicher Gebiete verlor die
Wehrburg zunehmend an Bedeutung und der leidenschaftliche Kurfürst ließ schließlich die Burg abtragen. An gleicher Stelle entstand dann ein
zweigeschossiges Jagdschloss, dessen Pracht schon nach hundert Jahren verblasste. Der 30jährige Krieg setzte der Stadt Bötzow arg zu und wie dem
Jagdschloss erging es auch dem Rest der Stadt. Was der Krieg nicht zu Nichte machte übernahm die Pest, eine der schlimmsten Krankheiten dieser Zeit.
Mit der Heirat 1646 des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg wussten die Bötzower nicht, welches Glück ihnen durch die Hochzeit zu
Teil werden sollte. Die damals 19jährige Prinzessin Louise Henriette von Oranien - Nassau lernte die Havelniederung und Bützow während eines
Jagdausfluges mit ihrem Gemahl kennen. Wegen ihrer Ähnlichkeit zur holländischen Heimat verliebte sich die Prinzessin sogleich in die wald- und
wasserreiche Gegend der Havelniederung und ihr Gemahl vermachte ihr 1650 das kurfürstliche Anwesen nebst der Domäne Bötzow und den dazugehörigen
Dörfern. Alle dazugehörigen Rechte wurden ihr ebenfalls auf Lebenszeit übertragen. Mit der Heirat kam holländischer Einfluss in die Mark Brandenburg.
Schon zwei Jahre später machte sich die Prinzessin an die Arbeit und an Stelle des Jagdschlosses wurde ein Schlossneubau im holländischen Stil
errichtet. Angelehnt an die Herkunft der Prinzessin wurde das barocke Schloss zu Ehren der Prinzessin "Oranienburg" getauft. Oranienburg
umbenannt wurde das Amt Bötzow, welches die Prinzessin rechtlich übertragen bekam. Das durch den 30jährigen Krieg gebeutelte Volk in ihrer Domäne
sollte wieder neue Hoffnungen schöpfen, dass sich die Prinzessin entschloss neue Siedler anzusiedeln und eine sozial gerichtete Wirtschaft zu
entwickeln. So entstand das erste Waisenhaus in Oranienburg und in der Mark Brandenburg. Es entstanden rund um Oranienburg Musterwirtschaften nach
niederländischem Vorbild. Im Schloss selbst richtete Prinzessin Louise Henriette 1652 das erste europäische Porzellankabinett ein.
Das kurfürstliche Paar brachte insgesamt sechs Kinder zur Welt, wovon aber fünf im frühkindlichen Alter starben. Nur der Kurfürst Friedrich III.
(später König Friedrich I.) überlebte und verlor seine durch Leid und Kummer gesundheitlich gezeichnete Mutter 1667, als diese in Berlin 39jährig
verstarb. Der einzige Sohn Friedrich III. verehrte seine Mutter sehr und ließ das Oranienburger Anwesen zu Ehren seiner Mutter verschönern und
erweitern. Schloss Oranienburg wurde die schönste barocke Schlossanlage in der gesamten Mark Brandenburg. In lateinischer Schrift ließ Friedrich an
das Schloss schreiben;
"Dieses, von Louise der Prinzessin von Oranien, der besten Mutter, erbaute und durch den Namen ihres Geschlechts ausgezeichnete Schloss
hatte der Kurfürst Friedrich der III. zum Gedenken der sehr frommen Mutter erweitert, geschmückt, vermehrt 1690".
Durch Übernahme des Schlosses in den Besitz des Soldatenkönigs "Friedrich des Großen" verfiel das Schloss den Sparzwängen des neuen
Besitzers. Dieser legte keinen Wert auf solche Schlösser und übergab es seinem Bruder Prinz August Wilhelm. Am 12. Juni 1758 verstarb August Wilhelm
- Prinz von Preußen im Schloss Oranienburg. Ab jetzt beginnt für das Schloss Oranienburg eine wechselvolle Geschichte, die auch Theodor Fontane nicht
verborgen blieb und in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" beschrieb. Anfang des 19. Jahrhundert wurde das Schloss an den
Apotheker Dr. Hempel mit der Auflage verkauft eine Baumwollfabrikation zu errichten. Zwölf Jahre später beheimatete das Schloss eine
Schwefelsäurenfabrik, die nach dem Bleikammernverfahren produzierte. Friedlieb Ferdinand Runge leitete ab 1832 die Fabrik und entdeckte dann hier
1833 im Steinkohlenteer das Anilin und Karbolsäure. Dieser war Pionier auf dem Gebiet der Naturstoffchemie und synthetischen Farbstoffen. Er
isolierte auch Chinin und Koffein und produzierte Parrafinkerzen.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die gewerbliche Nutzung des Schlosses verlagert und 1861 zog in das Schloss ein evangelisches Lehrerseminar ein,
nachdem das Schloss aufgrund eines Brandes renoviert werden musste. Bis 1926 waren sie im Schloss geblieben.
Wirtschaftlich entwickelte sich Oranienburg vermehrt durch den Havelausbau und dem Umstand das Oranienburg 1877 eine an die nahe liegende Stadt
Berlin angeschlossene Bahnstation erhielt. Zwischen Havel und Oder wurde der Großschifffahrtskanal (Oder - Havel Kanal) 1914 eröffnet, der ebenfalls
zum Aufschwung in Oranienburg führte.
Mit Machtübernahme der Nationalsozialisten begann ein trauriges Kapitel in Oranienburg. In einer Brauerei begannen damals die Machthaber mit der
Inhaftierung von Nazigegnern. Drei Jahre später begann man mit der Errichtung des Konzentrationslager Sachsenhausen, am östlich Stadtrand gelegen,
wo Hunderttausende ihr Leben ließen. Wegen der industriellen Nutzung Oranienburgs als wichtiger Kriegslieferant lag Oranienburg unter schweren
Bombenbeschuss. In Oranienburg waren die Auerwerke und die Heinkel Flugzeugwerke angesiedelt und waren für den Krieg von Bedeutung. Mit
Machtübernahme der Roten Armee entstand neben dem Konzentrationslager ein weiteres Internierungslager für Regimegegner, die von dort aus in andere
Lager und schließlich in die Verbannung geschickt wurden. Während der DDR Zeit war Oranienburg Kreisstadt der gleichnamigen Kreises. Das Schloss
nutzte man als Kaserne für die Nationale Volksarmee Abteilung Grenztruppen. Die ehemaligen Werksanlagen der Heinkel Flugzeugwerke nebst Flugplatz
und der Werkssiedlung "Weiße Stadt" wurde von der Sowjetarmee genutzt.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Schloss von Grund auf renoviert und der Stiftung "Preußischer Schlösser und Gärten"
übergeben. Die Parkanlagen wurden ab 2005 für 2009 stattfindende Landesgartenschau umgestaltet. Unter dem Motto "Das Schöne und das
Nützliche" wurde der Schlossplatz städtebaulich aufgewertet, die Militärbrache hinter dem barocken Schloss in das Ensemble mit dem idyllischen
Wasserwanderstützpunkt eingebunden.