Den besten Blick auf das Odertal gewinnt man vom Schiffshebewerk Niederfinow. Odertal, auch Oderbruch genannt, teilt sich in das Untere Odertal,
welches wir beschreiben und das obere Odertal, welches in Märkisch Oder Land liegt. Das untere Odertal unterteilt sich in die Landkreise Parsteinsee,
Lunow - Stolzenhagen, Hohensaaten, Oderberg und Liepe. Zentrum und über 775 Jahre alt ist Oderberg. Diese heutige Stadt fand ihren Ursprung schon im
12. Jahrhundert, als der Markgraf Albrecht II die strategische Lage erkannte und einen Vorposten in Form einer Burganlage errichtet. Günstige Stellen
zum Überwinden der Oder in das heutige Nachbarland Polen waren zu damaliger Zeit strategisch wichtig und die Oder liegt von hier aus nur sechs
Kilometer entfernt. Die Oder, Namensgeber des Barnimer Landkreises spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Landstriches. Bekannt als
Grenzfluss zu Polen und aus der Hochwasserkatastrophe machte sie sich einen Namen. Überwiegend herrschen aber extreme Niedrigwasserperioden, so dass
die Oder auch scherzhaft Steppenfluss genannt wird.
Das, 632 m über den Meeresspiegel liegend, entfernte Oderske im Mährischen Gebirge ist Quellgebiet der Oder. Aus einem kleinen Rinnsal wird über
912 Kilometern ein gewaltiger Strom, der mal wild und mal seicht seine Bahnen zieht und schließlich bei Swinemünde in die Ostsee fließt. Der Fluss
durchquert auf seinen Weg drei Länder, beginnend in Tschechien, weiterführend durch Polen und schließlich als Grenzfluss durch Deutschland. Der
Umstand des nach dem 2. Weltkrieges entstandenen Grenzverlaufes kam dem Odertal entgegen. So konnten die größten Auenlandschaften Mitteleuropas in
ihrem Ursprung erhalten bleiben und Flora wie Fauna fanden ideale Bedingungen zur freien Entfaltung. Das sumpfige Gebiet in der Oderniederung
verhinderte den Bau größerer Siedlungen, was wiederum zum Umstand führte, dass einzelne Ortschaften im Odertal weder über eine Kirche, noch über
einen Friedhof verfügen. Per Kahn fuhr man nicht nur zum Gottesdienst, sondern auch die Toten nahmen ihren Weg über die Oder.
Der Name des Flusses geht ebenfalls auf slawische Ursprünge zurück und heißt ins Deutsche übersetzt "Fluss, der ständig seinen Lauf
ändert". Dieser Umstand gestaltete sich auch in der Schiffbarkeit des Flusses als schwierig. So musste darüber nachgedacht werden, das Flussbett
zu begradigen und im Bereich des Oderbruchs den Fluss nach Osten zu verlegen. Dies führte allerdings dazu, dass die Oder um ganze 190 km kürzer wurde. Was für die
Flussschifffahrt von Vorteil, war für angrenzende Gemeinden alljährlich ein Nachteil. Schmelzwasser oder längere Regenperioden führten zu
Überschwemmungen in den Oderniederungen.
König Friedrich II. war derjenige, der den Oderbruch Namhaft machte. Die ständig überschwemmte Auenlandschaft um das Flussbett der Oder sollte
belebt und die Infrastruktur verbessert werden. Gerade das Gebiet um Bad Freienwalde mit weit verzweigten Flussadern, Sümpfen und Mooren stellten den
Mensch gegenüber der Natur stets zu neuen Herausforderungen. So begann eine groß angelegte Trockenlegung der Sümpfe und Verlegung des Flussbettes im
Jahre 1753. Die Berechnungen für diese spektakuläre Aktion lieferte ein Schweizer Mathematiker. Entstanden ist ein fruchtbares Ackergebiet und
bedeute für jeden Bauern das Paradies auf Erden und es entstand auf diese Weise der Gemüsegarten Berlins. Es wurde sogar Tabak angebaut und zu den
Bauern gesellten sich alsbald auch andere Gewerke, wie Fischer, Schäfer, Wollspinner und die Veredelungsfabrik für Zuckerrüben. Nun übernahm die Oder
die Transportfunktion, wo die Binnenschiffer das Geerntete zu den Absatzmärkten brachten
Beschrieben wird das Oderbruchgebiet als saalekaltzeitliches Gletscherzungenbecken mit größtenteils entwässerter Talniederung, dessen
Entwässerungsgräben zum Ackerbau genutzt werden. Mit 75 km Länge und zwischen 10 und 15 km Breite zieht sich der Oderbruch von den Plateauflächen im
Barnim zu der Lebuser Platte. Charakteristisch für den Oderbruch sind ausgedehnte Ackerflächen und einzelne Baumgruppen entlang des Wasserlaufs, die
das Gesamtbild der weites gehend waldfreien Landschaft auflockern.
Das Untere Odertal beginnt bei Hohensaaten, also im Barnimer Land gelegen und verläuft hoch Richtung Stettin. Dieser Teil des Odertals wurde mehr
oder weniger sich selbst überlassen und entwickelte sich somit zum heutigen Nationalpark "Unteres Odertal". Weit verzweigte Auengebiete,
Wasserläufe, Hangwälder, Trockenrasen, Sumpf- und Moorflächen präsentieren dem Nationalparkbesucher das größte noch intakte Überflutungsgebiet in
der so faszinierenden Flusslandschaft. Seerosen sammeln sich zu Teppichen, die Sumpfdotterblume fühlt sich hier noch heimisch und seltene
Schwimmfarne kann man auch noch vielerorts antreffen. Selbst die Tierwelt findet ideale Voraussetzungen für ihren eigenen Lebensraum, dass es unter
anderem auch seltenen Exemplaren, wie den Seggenrohrsänger, Fischotter aber auch Amphibien- und Reptilien finden ihre Daseinsberechtigung. Die in der
Eiszeit entstandene Flussniederung wurde durch den Rückzug von Gletschern geformt, wo sich vor mehr als 15.000 Jahren das Eis zurück zog. In den so
Ruhephasen lagerte der Gletscher Geschiebematerial ab und es entstanden Endmoränen in Form von Höhenzügen, zahlreiche Rinnen und eingetiefte
Bachtäler.
Der Nationalpark ist ein grenzüberschreitendes Projekt von Deutschland und Polen und umfasst 16.500 Hektar, wovon über zwei Drittel in Deutschland
westlich der Oder und der Rest östlich der Oder liegen. Östlich der Oder nennt sich der Nationalpark Unteres Odertal = Park Krajobrazowy Dolina
Dolnej Odry. Die Gründung des Nationalparks geht auf das Jahr 1995 zurück.
Teile des Odertals dienen als Forstwirtschaftslehrreviere, dessen Waldgebiete unberührt bleiben und zum Teil schon als Urwald mit über 150 Jahre
alten Bäumen bestehen. Die südlichen Gebiete um den Parsteiner See dienen als geologisch wertvoll und der Geologische Garten führt die Besucher auf
Pfaden durch die Geschichte der letzten Eiszeit.
Schiffshebewerk Niederfinow Das Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Schiffshebewerk sollte den
Abstieg einer 36 Meter hohen Talsandterrasse am Nordrand des Eberswalder Urstromtales überwinden. Zur damaligen Zeit übernahmen vier Schleusen mit
jeweils einem Viertel den Höhenunterschied zwischen der Havel und der Oder und alle vier Schleusen verbanden sich sozusagen zu einer Schleusentreppe.
Der Finowkanal wird z. Bsp. mit 17 Schleusen betrieben. Nach der Fertigstellung 1934 zählte das Schiffshebewerk zu dem damals weltgrößten Hebewerk
seiner Art.
Das Schiffshebewerk misst eine Höhe von 60 Metern, eine Länge von 94 Metern und eine Breite von 27 Metern. Der Trog für die Schiffe hängt an 256
Seilen mit Gegengewichten, ist 85 Meter lang, 12 Meter breit und 2,5 Meter tief , wiegt 1500 Tonnen und fasst 2700 Liter Wasser. Sein Gewicht ist
4200 Tonnen und wird mit Seilen über 128 zweirillige Seilscheiben gehoben und gesenkt. Schiffe mit einem Gesamtgewicht von 1000 Tonnen werden
innerhalb von 5 Minuten im Schiffshebewerk befördert. Das das Werk nicht direkt am Hang gebaut werden konnte verbindet eine 157 Meter lange
Kanalbrücke den eigentlichen Kanal mit dem Hebewerk. Die alte Treppenschleusenanlage mit eine Länge von knapp 60 Metern liegt gleich neben dem
heutigen technischen Denkmal "Schiffshebewerk Niederfinow".
Heute zählt das Schiffshebewerk zum ältesten in Betrieb befindliche Werk in Deutschland. Da es aber nunmehr an das Ende seiner Kapazität grenzt
wurde der Neubau eines noch größeren Schiffshebewerk beschlossen, welcher zwischen der Schleusentreppe und dem alten Hebewerk entstand. Als
Ausflugsziel besonders zu empfehlen, da bei gutem Wetter der Blick tief in das Odertal reicht.
Geologischer Garten Zwischen Oder und Parsteiner See liegt Stolzenhagen. Im Geologischen Garten von
Stolzenhagen befasst man sich mit den eiszeitlichen Landschaftsformen und der Besucher kann aktiv an geologischen Erkenntnissen durch Bergen und
Präparieren teilhaben. Bei den Wanderungen mit dem Rad werden Urstromtäler, urige Wälder an Endmoränen an der Parsteiner Staffel durchquert, vorbei
am Parsteiner Lobus, einem Stausee in einer Gletscherzunge und über Sander, wo Fossilien aus dem Erdaltertum gefunden werden können. Den ehemals
größten Findling Brandenburgs kann man auf der Tour auch noch nahe Oderbruch Neuendorf sehen.
Binnenschifffahrtsmuseum Ein Teil des Museums beschäftigt sich mit der geologischen Entwicklung nach der letzten Eiszeit. Auch die
Besiedlungsgeschichte wird in dem Museum von der Mittelsteinzeit bis in die Neuzeit dargestellt. So kann der Besucher wie vor 4000 Jahren auf einer
Reibemühle selbst Korn mahlen. Den Hauptschwerpunkt legt das Museum in der Flussschifffahrt, mit dem Beginn in der Holzindustrie, welche im Gebiet
mit 11 Sägewerken und 15 Kahnbauern vertreten war. Die Geschichte der Binnenschifffahrt kann der Besucher vom gesegelten Kaffenkahn über den Heckrad
Dampfschlepper bis zur modernen Schubeinheit erleben. Man lernt das Leben der Schifferfamilien auf den Flussschiffen kennen und streift auch die
Zunft der Fischer, die ebenfalls in der Region beheimatet waren. Auf der Freifläche des Museums liegt das wohl bedeutendste Stück des Museums - das
Dampfschiff "Riesa" aus dem Jahre 1897.