Josef Garbàty

oder die Geschichte der "Königin von Saba"

In Weißrussland 1851 geboren wanderte er zusammen mit seiner Familie aus der vornehmlich jüdisch bewohnten Stadt Lida Richtung Preußen aus. Von seinem Vater inspiriert begann Josef Garbàty zusammen mit seiner Ehefrau Rosa Rahel in Heimarbeit Zigaretten und Tabakwaren von Hand zu fertigen. Das 1879 gegründete Unternehmen befand sich in der Schönhauser Allee. Zu dieser Zeit entwickelte die Familie Garbàty ihre erste erfolgreiche Zigarettenmarke "Königin von Saba". Sie wurde 1887 als Warenzeichen eingetragen und war die erste ägyptische Zigarette in Berlin. Die Auslieferung der Zigarettenmarke wurde mit den so genannten Sabalastkraftwagen durchgeführt. Durch die erfolgreiche Arbeit in Herstellung und Vermarktung wuchs das Unternehmen und es musste ein neuer Standort gefunden werden. Dieses fand die Unternehmerfamilie in dem Grundstück an der Hadlichstrasse, wo sie 1906 mit dem Unternehmen hinzogen. Das Fabrikgebäude entstand nach Plänen von Paul Überholz.

Die sehr sozial eingestellte Unternehmerfamilie ließ neben den Fabriketagen auch Räume für Pausen und Mahlzeiten, stellte Bäder, eine Betriebswäscherei sowie eine eigene Bibliothek seine Arbeitern und Angestellten zur Verfügung. Außerdem stand eine Arbeitslosenfürsorge zur Verfügung um eventuelle Stillstandszeiten jeglicher Art zu überbrücken. Diese war ein Vorreiter der 1927 eingeführten staatlichen Arbeitslosenversicherung. Für die geistig kulturelle Förderung gab es eine eigene Betriebszeitung, einen Werkschor und einen Club für sportliche Aktivitäten. Selbst für das Feiern zeichnete sich die Familie für seine Angestellten und Arbeiterinnen verantwortlich. Es wurden regelmäßig Bälle, wie Kirmes- und Alpenball, im Deutschen Hof veranstaltet.

Garbàty führte sein Unternehmen weiter erfolgreich, investierte in neuste Maschinentechnik und wurde so zum Hoflieferanten zahlreicher Fürstenhöfe, zum Herzoglich Sächsischen Hoflieferanten und der damaligen italienischen Regierung. Die gute und qualitative Arbeit des Unternehmens fand weltweit immer mehr Beachtung, so dass Fabrikate von Garbàty auf der 1910 in Brüssel stattgefundenen Weltausstellung mit Auszeichnungen belohnt wurden.

Die Kapazitäten des Unternehmens wuchsen weiter, so dass ein zweites Fabrikgebäude in der Berliner Straße gebaut werden musste. Auch europaweit und in Asien und Ameriaka expandierte das Unternehmen. Beliebteste Marke in Russland war die Garbàty Papirosi.

Sehr engagiert war die Familie auch für das jüdische Leben in Berlin tätig. So stiftete die Familie dem Jüdischen Waisenhaus in Pankow den Betsaal, der Pankower Bürgermeister Wilhelm Kuhr erhielt eine stattliche Summe zur Gründung einer Stiftung für gemeinnützige Zwecke, mit Zinsen wurde die Volksbühne bedacht und jüdische Krankenhäuser und Altersheime wurden mit Spenden bedacht.

Ein Jahr vor seinem Austritt aus dem Unternehmen führt Josef Grabàty ebenfalls erfolgreich die Zigarettenmarke Kurmark ein. Achtundsiebzigjährig tritt Josef Grabàty schließlich 1929 in den Ruhestand und übergibt fortan seinen beiden Söhnen Eugen und Moritz die Leitung des Unternehmens. Diese sammelten erste unternehmerische Erfahrungen in der PA-PA-Ge Aktien Tochtergesellschaft der Garbàty Zigarettenfabrik, wo mit modernsten Maschinen Verpackungen unterschiedlichster Art hergestellt wurden. Mit der Übernahme der Zigarettenfabrik gaben sie die Verpackungsherstellung auf und verkauften das Unternehmen an die Reemtsma in Hamburg. Diese stellte aber ein Jahr später die Produktion in Berlin ein und das Arbeitsamt Nordost bezog das Fabrikgebäude. Für die Zigarettenfabrik entstand 1931 ein weiteres Fabrikgebäude und die Beschäftigtenzahl stieg auf 1600, wobei die überwiegende Zahl Frauen waren, die im Banderolierungssaal eingesetzt wurden.

Der zunehmende Konkurrenzkampf in der Tabakindustrie machte auch vor Garbàty nicht halt, die Anteile des Eugen Garbàtys gingen an den Reemtsma Konzern, dessen Folge es war, dass Sohn Moritz nun Leiter einer Fabrik war und monatlich nach Hamburg in die Reemtsma Zentrale fuhr.

Mit Hitlers Machtergreifung begannen auch für die Familie Garbàty harte Zeiten. Die zu 1929 neu firmierte Carbàty Cigarettenfabrik GmbH wurde 1935 in eine KG umgewandelt und schließlich im Zuge der Arisierung 1928 wurde das Unternehmen an die Jakob Koerfer Gruppe in Köln zwangsverkauft. Die Familie entschloss sich bis auf dem Firmengründer nach Amerika zu emigrieren und verkaufte nun auch schließlich das seit 1900 in Familienbesitz befindliche Schloss Altdöbern in der Lausitz. Josef Grabàty blieb als Einziger seiner Familie in Deutschland und lebte betreut von Sophie Boroschek bis zu seinem Tode in der Villa Garbàty, wo er 1939 88jährig verstarb. Beerdigt wurde Josef Grabàty auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee.

Die einst blühende Fabrik hatte den Krieg gut überstanden wurde aber wenige Tage vor Kriegsende geplündert und ausgebrannt. Nach Kriegsende nahmen die Besatzungsmächte die Produktion von Zigaretten in den relativ unversehrten Fabrikhallen wieder auf und wurde im Zuge der Gründung der DDR in Volkseigentum umgewandelt und trug immer noch den Namen des einstigen Firmengründers. Erst Anfang der 60er Jahre verschwand der Name des Firmengründers gänzlich und das Werk nannte sich nunmehr "VEB Vereinigte Zigarettenfabriken" Werk Berlin. Hier wurden die Zigarettenmarken Club, Cabinet und Karo hergestellt. Die Villa des Firmengründers nutzte der bulgarische Botschafter als Wohnsitz bis zur Wende. In den Köpfen der Pankower blieb der Name Garbàty stets erhalten. Wenn wir zu den Werken fahren mussten hieß es immer "Wir fahren zu Garbàty".

Mit der Wende kam auch das Ende einer fast hundertjährigen Zigarettenproduktion in Pankow. Rechte an erfolgreiche Zigarettenmarken verkaufte die DDR noch vor der Wiedervereinigung, eine Wiederbelebung der Zigarettenproduktion endete im Konkurs, so dass die Fabrikhallen nun  leer stehen. Lediglich das Gebäude in der Hadlichstrasse konnte einer gewerblichen Nutzung zugeführt werden.

Der einstigen Garbàty Villa kam nach mehrjährigem Leerstand noch politischer Zündstoff zuteil. Der Betreiber einer Zeitarbeitsfirma vermietete die erworbene Villa an die Republikaner und sorgte unter den Pankower, die den Fabrikanten bis heute verehren, für Unmut. Heute wird die Villa unter anderem als Cafè Garbàty genutzt, die dessen Namen als Erinnerung trägt.

Letzte Ehre erhielt Josef Grabàty mit der Eröffnung der U - Bahnverlängerung von der Vinetastraße zum S - Bahnhof Pankow. Der Bahnhofsvorplatz erhielt den Namen des Fabrikanten und als Dank für sein soziales Wirken wurde der Schriftzug Garbàty nach dem Entwurf der Berliner Künstlerin Susanne Ahner aufgestellt. In einer im Boden verankerten Schrifttafel wird nochmals auf das soziale Wirken von Josef Grabàty hingewiesen und ihm somit noch einmal letzte Ehre erwiesen.